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Kein Schiff wird kentern

Manöver links, dem weihnachtlichen Familienunfrieden ausgewichen, die Keksüberdosis überstanden und alle Geschenke verstaut, aufgegessen oder umgetauscht. Jawohl, wir waren fleißig in den Feiertagen, und ich trete dem neuen Jahr halbwegs gelassen gegenüber. Obwohl das Jahr erst jung ist, wurde mir schon das Handy geklaut, eine Schwangerschaft angedichtet (dank der leckeren Kekse meiner Oma vermutlich) und ein Lottogewinn im einstelligen Bereich ausbezahlt. Es tut sich was, wie Sie sehen!

Im Moment mache ich mir viele Gedanken über meine berufliche Zukunft und rede auch viel darüber mit FreundInnen und Bekannten. Ich frage mich die letzten Woche immer wieder: warum betreiben bestausgebildete AkademikerInnen unlukrative Eltern-Kind-Cafès, gründen Babyartikelversandunternehmen oder verstricken sich in prekäre SelbermacheriInnenexistenzen inmitten von selbstgenähten Kissen und Stramplern? Ich verstehe es nicht! Gibt es wirklich derart wenige attraktive Jobs für diese Personen? Einer der Gründe, die ich im persönlichen Gespräch immer wieder gehört habe, ist die Priorität der Vereinbarkeit von Kind und Arbeit.

Was für ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft, dass der einzige Weg für diese wertvollen Arbeitskräfte scheint, in eine prekäre Selbstständigkeit abzudriften, die weder sie noch ihre Familien absichern kann, noch ihrer Ausbildung und ihrem Potential gerecht wird. Menschen, die Kinder haben, Arbeitskräfte, die für andere Betreuungspflichten haben und nicht sprichwörtlich mit dem Unternehmen verheiratet sind, sollten die Norm und das Ideal sein! Nicht junge, ungebundene, immer verfügbare Workaholics – am besten frisch von der Uni und billig. Durch gezielte Förderungen und Sanktionen und politische Aufklärungsarbeit sollten Unternehmen zum Umdenken gebracht werden und Menschen mit Familie selbstverständlich der Weg in einen erfüllenden Job vereinfacht werden. Wenn dann Menschen Unternehmen gründen mit innovativen Konzepten zum Thema Familie, sollte das nicht mangels Alternativen aus der Not heraus sein, sondern da es im Paralleluniversum Familie trotzdem immer Raum für erfolgreiche Ideen gibt und es auch Vorteile hat, selbstständig zu sein.