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Keine halben Sachen

Es ist schon die Halbzeit meiner Schwangerschaft vergangen, das Kaffeehäferl mit koffeinfreiem Kaffee ist halbvoll, weil es mir im wahrsten Sinne blendend geht, nur die Liste der Sachen, die ich vor der Geburt erledigen möchte, wird jeden Tag doppelt so lang. Ich sitze auf Nadeln, weil ich spüre, dass mein Leben bald auf dem Kopf stehen wird und ich womöglich viele Dinge, die ich heute mit Leichtigkeit machen könnte, bald nicht mehr machen können werde.

Ich will noch möglichst viele meiner Freudinnen, Freunde und Bekannten treffen, neue Workshop- und Seminarideen promoten, liegengebliebene Kunstideen endlich in ein Endprodukt verwandeln und so viel mehr! Als 31-jährige Jungunternehmerin habe ich zwar schon viel erreicht, dennoch schleicht sich immer mehr der Satz: „Jetzt oder nie!“ in meine Denkweise ein. Panik vor dem Ungewissen? Angst vor der Reue viele Dinge nicht mehr geschafft zu haben, bevor unser Kind das Licht der Welt erblickt? Probleme mit dem einfach Loslassen und den Dingen ihren Lauf lassen? Vielleicht ein bisschen von allem. Ich wäre gerne mehr die zufriedene, satte, immer zuversichtliche Schwangere die mit offenen Armen auf ihr Kind wartet und sich vom Leben tragen lässt.

Was wird sich durch unseren Sohn in unserem Leben ändern? Werden wir bereit sein unser selbstbestimmtes, von unseren Talenten und Vorlieben geprägtes Berufsleben hinten anzustellen und auch privat auf vieles, was uns jetzt selbstverständlich erscheint, zu verzichten? Mein Herz schreit: „Ja!“, aber mein Kopf erahnt Konfliktpotential und neue Herausforderungen.