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Kirche anders gedacht
Ein Denkanstoß von einem, der nicht dazu gehört – oder eigentlich doch?

Wie hat diese Diskussion über die Aktualität des Zweiten Vatikanischen Konzils auf Sie gewirkt?“. Der junge Redakteur, der für seinen Sender die Aufnahmen im Radio Kulturhaus begleitet hatte, stutzte kurz. „Ja, war ganz interessant.“ Es kam so zögerlich, dass ich nachfragte: „Verbindet Sie etwas mit der Katholischen Kirche?“ „Eigentlich nicht. Ich bin ja nicht einmal getauft“. Jetzt hatte ich ihn fast verlegen gemacht. Aber er erzählte, dass sein Vater katholisch und seine Mutter evangelisch seien und es deswegen den Kindern überlassen wollten, ob sie sich einmal taufen ließen oder nicht. „Ich habe während der Schulzeit ohnehin überall mitgemacht, Jungschar, Sternsingen, da ist mir die Taufe nicht abgegangen. Und als Erwachsener hatte ich nicht das Gefühl, mich noch entscheiden zu müssen. Ich habe es einfach so gelassen. Meine Schwester auch.“

In der Debatte über das 2. Vaticanum hatten wir gerade diskutiert, ob und wie man Kirche für junge Menschen wieder interessant machen könnte. Die Denkrichtung ist noch immer eindimensional. Eigentlich meint man, die Kirche sei der wahre Ort des Glaubens und dorthin sollten alle zurück geholt werden. Kann das noch stimmen, wenn so viele junge Menschen einfach auch ohne Kirche gut leben? Sollte man nicht vielmehr fragen, was sie glauben, was ihnen wichtig ist? Könnte es nicht sein, dass  auch in ihnen und in der Begegnung etwas „Göttliches“ aufblitzt?

„Als Kinder sind wir am Wochenende oft bei den Großeltern im Mühlviertel gewesen. Da gehörte es dazu, zur Kirche zu gehen. Ausreden waren nicht erlaubt“- der  junge Mann lacht, wenn er sich erinnert. „Am Sterbebett hat der Opa noch zu mir gesagt, weißt eh, dass es Himmel und Hölle gibt.  Ich habe gesagt, ist gut Opa, ich weiß. Ich bin ihm sehr dankbar, dass er weder mich noch meine Eltern je bedrängt hat, dass wir getauft werden.“ Er hat offenkundig die Diskretion erfahren, die in Glaubensfragen angemessen ist, und Wertschätzung für ihn als Menschen. Wenn man so will, hat er fundamental Christliches gelernt.

„Was würden Sie an der Kirche ändern?“ will ich zum Schluss noch von ihm wissen. Seine Antwort überrascht mich: „Es sollte mehr Wettbwerb unter den Pfarren geben. Sie sollten sich um ihre Gläubigen bemühen. Manchmal ist es doch echt furchtbar, wenn eine Pfarre dreißig Jahre lang von einem Pfarrer immer dasselbe hört.“ Er sagte das so ohne Aggression, dass ich meine erste innere Abwehr – nicht auch noch in der Kirche Konkurrenz! – zurück drängte. Seither beschäftigt mich, was mir an seinem Einwurf plausibel ist. Wenn mehr Leute predigen würden, wenn es unterschiedliche Gottesdienstformen und Gottesdienstgruppen, nicht nur Gemeindegottesdienst oder Familienmesse, gäbe, starke Personen, anspruchsvolle Formen, wäre etwas gewonnnen?