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Klara und ihre außergewöhnliche  Familie
Mit ihren acht Kindern sind die Plaichingers keine gewöhnliche Familie. Außergewöhnlich ist auch das Talent von Tochter Klara (10). Als jüngstes Mitglied der „Freaks“ wird sie im Sommer bei der Akrobatikweltmeisterschaft in Norwegen ihre Turnkünste zeigen.

Weiche Knie darf Klara sich nicht erlauben. Feuchte Hände hat sie allerdings schon, wenn sie vor Hunderten ZuseherInnen auf einer dreistöckigen Menschenpyramide balanciert oder ihre TeamkollegInnen sie durch die Luft wirbeln und wieder auffangen.

Hinter diesen Bewegungen, die so geschmeidig und federleicht wirken, steckt viel Talent, aber auch sehr viel Übung. Ein- bis zweimal pro Woche chauffiert Rudi Plaichinger (44) seine Tochter im blauen Bus von Kirchdorf an der Krems nach St. Valentin zu einem fünfstündigen Training. Dort werden die Kunststücke mit Klettergurten, dicken Matten und dem „Schnitzelbad“, einer großen Wanne, gefüllt mit Schaumstoff-Schnitzeln, so lange geübt, bis die TurnerInnen sie aus dem Effeff beherrschen.

Als Chorleiter und Bandmitglied ist Musiklehrer Rudi Plaichinger mit Auftritten vor Publikum vertraut. Dennoch scheiterte er bei dem Versuch, die WM-Vorpremiere der Akrobatikgruppe „Freaks“ mit der Videokamera zu filmen. Vor lauter Aufregung verwackelte er die Aufnahmen. Auch Mutter Alexandra (46) hatte Herzklopfen, obwohl sie in puncto Bewegungsdrang ihrer acht Kinder, die zwischen 20 und einem Jahr alt sind, einiges gewohnt ist.

SALTOS VOM WICKELTISCH
Und dann erzählt sie von ihrer ältesten Tochter, Katharina (18), die mit fünf Jahren einen Laternenmast bis ganz hinauf erkletterte, von Saltosprüngen vom Wickeltisch und einer völlig „durchgesprungenen“ Couch. „Warum fürchte ich mich nicht?“, hat sie sich oft gefragt. Ihre Antwort darauf: „Man muss Vertrauen in die Kinder haben. Sie machen nur das, was sie können.“

Weshalb Klara und auch ihre anderen Geschwister solche Bewegungstalente sind (drei sind LeistungsturnerInnen), dafür hat sie eine Theorie: „Egal, ob es geregnet oder geschneit hat, wir sind jeden Tag auf den Spielplatz gegangen. Unsere ersten vier Kinder sind sehr knapp hintereinander gekommen, und so hatte ich ständig ein Baby auf dem Arm und konnte nicht immer helfen. So haben unsere Kinder früh gelernt, vieles selbst zu tun.“

FAMILIENTRAINING
Die älteren Geschwister waren dabei einerseits Vorbild und andererseits strenge TrainerInnen für die Kleineren. Vor allem die 16-jährige Veronika, die selber Leistungsturnerin ist, brachte Klara viel bei. Sie stellte auch den Kontakt zu den „Freaks“ her, die eine Nachwuchstruppe gründeten. Sowohl Klara als auch ihre jüngere Schwester Hannah (8) wurden in das Team aufgenommen. Während Hannah es sich jedoch anders überlegte, wechselte Klara bald in die Profimannschaft. Dort sind sie und Emma Peterseil (11) aus Naarn die Nesthäkchen. Die Mädchen turnen gemeinsam mit jungen Männern und Frauen, die einen Kopf größer sind. „Es ist erstaunlich, wie respektvoll sie miteinander umgehen und welchen Spaß sie haben“, erzählt Alexandra Plaichinger. Am Anfang stellte sie sich aber schon die Gewissensfrage: „Soll man das erlauben?“ Schließlich kennt sie den Ehrgeiz ihrer Tochter Klara, die neben dem Gymnasium und dem Training mit den „Freaks“ auch noch zweimal in der Woche turnen geht sowie jeweils einmal in der Woche Tanz- und Klavierunterricht nimmt. „Manchmal muss ich sie einbremsen.“ Wie gehen die Geschwister damit um, dass sich plötzlich so vieles um Klara dreht? „Die Großen haben ein intensives eigenes Leben“, sagt Alexandra Plaichinger. Johannes (20) studiert, Jakob (14) spielt in einem Fußballklub, Veronika ist sehr stolz, weil sie weiß, dass sie wesentlichen Anteil an Klaras Erfolg hat, Hannah hätte die Möglichkeit, bei den „Freaks“ mitzumachen, ebenfalls gehabt.

PS: Die Familie Plaichinger freut sich über SponsorInnen, die Klaras sportliches Talent unterstützen möchten.
Kontakt: info@welt-der-frau.at

Mehr dazu in der Printausgabe.

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Klara mit den „Freaks“

Erschienen in „Welt der Frau“ 03/17 – von Julia Langeneder