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Springtime

Können Sie ihn auch schon nicht mehr erwarten?

Ich sitze vor dem Eissalon Bortolotti in Wien und schlecke verzückt mein erstes und himmlisch schmeckendes Eis in diesem Jahr: vegane Schokolade, Walnuss und Weißer Kuss (vielversprechender Name!).

Ein wenig eigenartig komme ich mir dabei allerdings vor. Ich sitze in meinem Lammfellmantel auf den kalten Eisenstühlen, um meine Beine eine Wolldecke geschlungen und in der klammen rechten Hand die Eistüte. Die linke Hand steckt geschützt im warmen Handschuh.

Am Nachmittag war es heiß auf der Dachterrasse, so heiß, dass ich mich alle paar Minuten eines Kleidungsstückes entledigen musste, zuletzt lag ich mit hochgeschobenem Shirt und unter den Bauchnabel geschobener Jeans auf der Liege und spürte die heiße Sonne auf meiner nackten weißen Haut. Beinahe unerträglich heiß war es!

Und jetzt, drei Stunden später, sitze ich eingewickelt in der Mariahilferstraße vor dem italienischen Cafe. Was ist das jetzt, Winter, Sommer?

Und wie jedes Jahr um diese Zeit spüre ich, wie neue Energie in mir aufsteigt. So wie bei den Pflanzen und Tieren draußen in der Natur sprießt es auch in mir, ich könnte Bäume ausreißen und Berge versetzen. Ich will im Garten herumwühlen, will Pläne machen für dieses und jenes, will mein Äußeres verändern, will meine Schränke ausmisten (Grau und Schwarz raus – Bunt rein), will einkaufen gehen, und ja, Eis schlecken! Und ich will lächelnde Gesichter sehen, anstatt missmutig in hochgestellte Krägen und in Schals vergrabene Köpfe!

Mit gutem Beispiel gehe ich voran, lächle, singe, tanze mich durch den Tag und trete in einen Pfeifwettstreit mit den Vögeln in unserem Garten.

Veronika, der Lenz ist nah!

Anneliese Pflügelmayr

arbeitete als Pädagogin und Mediatorin. Zuletzt war sie an der Pädagogischen Hochschule OÖ tätig, wo sie Deutschdidaktik unterrichtete und gemeinsam mit KollegInnen einen Lehrgang für Peermediation aufbaute. Seit einem einjährigen Aufenthalt als Austauschschülerin in den USA engagiert sie sich als Freiwillige für Jugendaustausch und diverse Sozialprojekte. Kommunikation und Begegnung mit Menschen sind ihr wichtig. In ihren Beiträgen wirft sie einen augenzwinkernden Blick auf das Alltagsleben als Seniorin, in dem sich vielleicht auch so manche Leserin wiederfindet.
Ihre Devise: Mit kritischer Distanz und Humor sollte sich doch das Älterwerden etwas leichter bewerkstelligen lassen!

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