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Konkurrenz belebt das Geschäft

Im Spielgruppen-Babytreff ist nicht alles eitel Wonne. Enttäuscht habe ich feststellen müssen, dass dieser eine einzige Babykurs, den ich mit unserem Sohn machen wollte, geprägt ist von Leistungsdenken und Ausschlussmechanismen. Die gleichaltrigen Babys wurden eingeteilt in zwei Gruppen: die einen, die schon krabbeln oder zumindest flott robben können und die anderen. Die Fortgeschrittenen durften zu aufregenden, bunten Spielstationen und die anderen mussten auf weichen Matten bleiben und wurden halt mit ein paar Klim-Bim-Spielzeugen bespaßt. Natürlich sollten sich diese etwas „langsameren“ Babys etwas von den fortgeschrittenen Babys abschauen, so die Prämisse der Kursleiterin und der peinlich berührten Mamas der motorischen Nachzügler. Angestachelt durch Kommentare, die immer das Defizitäre betonten anstatt die Babys einfach mal so wie sie sind toll zu finden, sahen die Mütter ihren Spross plötzlich in einem anderen Licht. Als ob etwas nicht richtig oder zu langsam an ihrem Kind wäre. Ich habe mich fehl am Platz gefühlt – ich vermisste die angepriesene Kreativität und das Spielerische an diesem Kurs. Vielleicht stellt es aber auch einfach ein Sinnbild der Leistungsgesellschaft dar, dass schon die Kleinsten im Takt und normiert funktionieren sollen. Jedes vermeintlich überflüssige Kilo Babyspeck, jede Abweichung vom Nahrungsmittelempfehlungsprotokoll, jede sonstige Anomalie wurde besprochen, kritisiert, getadelt oder eben gelobt vor allen anderen. Da wird geübt, geturnt, gesungen, gehoben und noch viel mehr, um den Kleinsten wohlmöglich den sowieso anstehenden Entwicklungsschritt ein paar Tage früher zu entlocken.

Michael soll laufen, vom Tisch essen, durchschlafen und Mama sagen dürfen wann immer er so weit ist, ich werde mich hüten, ihn wie ein dressiertes Äffchen zu trainieren. Stattdessen singe, tanze und musiziere ich mit meinem Kind und zwar, weil ich selbst immer feuchte Augen bei jeder schönen Melodie bekomme und ich gerne meine Flöten, Gitarren und Stimmbänder zum Schwingen bringe. Ich tanze mit ihm am Arm Salsa und langsamen Walzer, weil es fast nichts Schöneres gibt. Ich mache das nicht um ihn besser, anders oder schneller zu machen, sondern weil das eine Ebene ist, die ihm und mir gefällt, und auf der wir uns gegenseitig ein gutes Gefühl geben können, weil es zu uns passt.

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