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Kunst in der Schwangerschaft

Während Sie diesen Blog lesen, liege ich entweder mehr oder weniger munter in den Wehen oder darf vielleicht schon seit Kurzem die Zeit mit unserem neugeborenen Sohn genießen. Ich habe quasi auf Reserve geschrieben, damit die wöchentliche Kette meiner Texte nicht abreißt und weil ich vermutlich im Kreissaal keine Hand zum Tippen frei haben werde.

Seit Jahren frage ich mich schon wie es wohl für mich ist, während einer Schwangerschaft künstlerisch zu arbeiten. In meinen Fotografien bin fast ausschließlich ich selbst zu sehen. Ich bin mein eigenes Modell, meine eigene Regisseurin und gleichzeitig koordiniere ich die Kameras und das Licht. Diese multiple Rolle ist für mich außerordentlich reizvoll. Ich arbeite seit über 10 Jahren mit dem Selbstportrait und es gibt immer noch so viel, was ich in meinen künstlerischen Arbeiten umsetzen möchte. Die ersten Monate der Schwangerschaft waren für mich aufregend. Ich habe lange gebraucht, bis ich mich auf die neue Situation eingestellt hatte und bis wieder eine Art Arbeitsalltag stattfinden konnte. Die erste Zeit war ich blockiert und konnte keinen Weg finden, mit meinem sich rasant verändernden Körper künstlerisch zu arbeiten. Natürlich gibt es jede Menge andere Dinge, die erledigt gehörten und die nicht unbedingt Körpereinsatz vor der Kamera verlangen, wie Einreichungen für Stipendien und Preise. Das Kernstück meiner Arbeit – die Zeit im Studio – habe ich dennoch erst Ende sechstes Monat wieder aufgenommen. Rückblickend war es für mich nicht möglich einen Weg zu finden, den Bauch zu integrieren ohne darauf konzeptuell einzugehen. Ich musste erst eine Idee entwickeln, die gerade mit meinem schwangeren Körper arbeiten würde ohne rein eine Dokumentation meines wachsenden Umfangs zu sein.

Aus diesen Überlegungen hat sich mein neuestes Projekt „109 days art appropriation challenge“ entwickelt, das ich im Juli begonnen habe und woran ich bis Ende Oktober arbeiten werde. Ich zitiere in meinen Selbstportraits Werke anderer Künstlerinnen und Künstler und veröffentliche diese dann auf dem Projektblog unter www.109.at nach Datum sortiert. Die Themen reichen von der Rolle der Frau in der Gesellschaft bis hin zu Fragen nach Urheberschaft und Identität. Mein unübersehbarer Schwangerenbauch ist ein Teil vieler dieser Fotos geworden. Er schiebt sich als neue Bedeutungsebene über die Ideen der einzelnen Bilder und ich bin sehr gespannt, wie das Fotografieren kurz nach der Geburt und mit unserem Baby sein wird und wie sich das Projekt weiter entwickelt.

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