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KW 11/2014: Doppelding

In diesem Monat ist „Zwillinge“ das Titelthema der „Welt der Frau“, und heimlich habe ich mir gewünscht, dass eine Bilderserie von mir dazu erscheinen könnte. Seit etlichen Jahren nämlich fotografiere ich Dinge, die doppelt auftreten. Angefangen hat es als ein Spleen. Weil ich mich wissenschaftlich mit der „Doublette“ beschäftigte – also dem Phänomen der zwei Seiten, die geschieden sind, aber nicht voneinander trennbar – fing ich an, diese Fotos zu schießen. Die Regel dabei ist: Ich darf nichts arrangieren. Die Dinge müssen sich von selbst zu Paaren gruppiert haben, beziehungsweise zufällig so herumstehen. Wenn sie mir aber als Doppel erscheinen, muss ich sie auch aufnehmen.

So ist eine Reihe von Motiven entstanden: Doppel-Sonnenschirme, Sitzbänke, Telefonzellen, Kakteenblätter, Tassen und Gläser aller Art, Lampen, Kerzen, Puppenkinder, Hüte, Helme, Zahnbürsten, Stromverteiler, Holzstücke. Es ist erstaunlich, wie oft Dinge als Zwilling auftreten, als würden sie sich gern als Ähnliche zusammentun. Oft werden sie natürlich auch von Menschen so hergerichtet.

Vielleicht entsprechen meine Doppel jenen Rätselspielen, bei denen man den Unterschied zwischen zwei auf den ersten Blick identischen Bildern finden soll. Es gibt ja eine Lust an der Spiegelung, einen Hang zur Symmetrie. Gleichzeitig verunsichert das, was irgendwie gleich, aber nicht dasselbe ist. Doppel untergraben das Konzept der Einzigkeit, aber auch das der Trennung. Sie sind eben weder eins noch zwei. Hier gibt es keinen sicheren Boden, und nicht umsonst ist der Doppelgänger in der Literatur und im Film immer mit dem Unheimlichen verbunden.

So gesehen sind auch die beiden Teegläser hier nicht harmlos. Sie sind in der Übermacht. Es ist, als grinsten sie und sagten: Welches von uns nimmst du nun? Vielleicht ist ja in einem Gift.

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