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KW 13/2014: Kassa-Förderband

Eigentlich kann das Förderband selbst nichts dazu. Geduldig stumm lässt es sich an der Supermarktkasse mit Waren bepacken und rollt sie ihrer Registrierung entgegen. Trotzdem macht es sich damit zum Gehilfen eines ziemlich üblen Vorgangs der Transformation.

Denn während vor der Kasse die Zeit stillzustehen scheint, man schafsgeduldig in der Schlange wartet, behutsam alles einzeln auf die Gummimatte legt, geht dann, sobald das Band die Ware der Kassiererin in die Finger spielt, alles rasend schnell. In Windeseile werden die Produkte über den Scanner gezogen und achtlos ungeordnet als Haufen auf die kläglich kleine Ablage dahinter geschoben. Egal ob Platz ist oder nicht, egal ob es der Kundin/dem Kunden gelingt, alles hastig einzupacken, egal, ob das, was vorher vorsichtig gelegt war, jetzt gequetscht wird. Schon streckt sich die Hand der Kassiererin aus und wartet aufs Geld.

Mich ärgert, ja empört dieses Kassenspiel jedes Mal. Es zeigt sich Verachtung darin und der kalte Kern des Tauschgeschäfts. Denn sobald die Lichtschranke der Preiserfassung überschritten ist, schlägt die Wertordnung um. Aus langsam wird schnell (mit meiner Zeit kann der Supermarkt verschwenderisch umgehen, nicht aber mit der seiner Verkäuferin), aus der Reihe wird ein Haufen, aus dem Wert ein Ramsch. Er ist so egal, dass auch die Einkäufe des Nachkommenden einfach in die des Vorgängers geschoben werden können, wenn der sein Zeug nicht schnell genug packt. Sortiert doch selbst auseinander, was uns nicht mehr gehört!

Natürlich ist das nicht die Schuld Förderbandes. Was tut es schon anderes als mit endlichem Material endlos zu rollen? Als Fließband aber bleibt es das Sinnbild der Fabrik, der Massenproduktion, des Untergangs des Einzelnen. Ein trauriges, ach was, ein gemeines Ding.

Kommentare

One thought on “KW 13/2014: Kassa-Förderband”

  1. Hans Kouba sagt:

    ach, ließe sich diese schöne ökonomische ding-meditation
    auch an die neue wu (wirtschaftsuniversität) be-fördern …!
    hans kouba/wu-wien-seelsorge

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