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KW 15/ 2014: Rad, ach Rad

Vom Fahrrad kann man nicht in der Einzahl sprechen. Eigentlich bin ich das Gegenteil einer Sammlerin und verstehe nicht, warum man von bestimmten Dingen möglichst viele Exemplare haben muss. Bei Rädern aber gilt: Drei braucht der Mensch. Ein robustes Stadtrad, ein gutes Reiserad, ein Rennrad. Der Rest ist Luxus.

Ich habe vier Räder in Wien und noch ein fünftes in meiner alten Heimatstadt Berlin. Sie sind nach und nach zu mir gekommen. Den Mindeststandard von drei hatte ich schon als ich nach Wien zog. Aber hier musste ich mir unbedingt ein leichtes Rennrad zulegen, weil der Winter so warm die Berge so nah waren. Ein weiteres Fahrrad habe ich bei einer Wohnungsbesichtigung erstanden, wo ich angab, ich bräuchte einen großen Keller (wegen der Räder). Die Vormieterin hatte da ein unbenutztes Montainbike stehen. Ich kaufte es ihr ab, die Wohnung nahm ich nicht.

Über das Fahrrad kann man tausenderlei sagen, aber eines ist wesentlich: Dieses Ding macht glücklich. Wenn etwas mein Leben extrem verengen würde, dann wäre es, nicht mehr Radfahren zu können. Denn es bedeutet draußen sein, im Freien, und es ist das für mich optimale Verhältnis von Bewegung und Raum. Das Rad – oder irre ich? – ist dasjenige Gefährt, mit dem man aus eigener Kraft die höchste Geschwindigkeit erzielen kann. Als Rennrad verschmilzt es regelrecht mit dem Körper. Ich mag beim Bergauffahren das Brennen in den Oberschenkeln und Waden; bei den Abfahrten durchrauscht mich reine Freude.

Natürlich können Räder auch ärgern, aber das zählt nicht, sie sind meine Fortbewegungsmittel sommers wie winters. Hin und wieder rede ich mit ihnen, gebe ihnen einen Klaps auf den Sattel. Als Kind hatte ich an der rechten Seite der Lenkstange meines roten Klapprads zwei Gummizüge angebracht. Das waren die Zügel, das Rad war mein Pferd und ich ein verwegener Cowboy in der Prärie. Vielleicht fühle ich mich heute, wenn ich Rad fahre, immer noch so.

Kommentare

One thought on “KW 15/ 2014: Rad, ach Rad”

  1. Hans Kouba sagt:

    betr.: tausenderlei
    Beim Schweizer Dichterpfarrer Kurt Marti gibt’s den „Cherubinischen Velofahrer“, der beim Radfahren dichtet: Gott liebt uns Sünder allzumal, drum tret‘ ich fester ins Pedal. In seinem Testament hat er festgelegt, daß sein Rad in Einzelteile zerlegt, mit ihm begraben werde. Und auf seinem Grabstein soll der Sinnspruch stehen: Wir rasten, rosten hier zu zweit (zu dritt/zu viert) Gelobt sei Gott in Ewigkeit.“ Herzlichen Rädergruß samt Einladung zum Radfahren nach Mariazell mit der KHG am 2.-4. Mai 2014. Hans Kouba, Studierendenseelorger

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