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KW 17/ 2014: Er ist wieder da.

Man muss jetzt nicht an österliche Auferstehung denken, aber mein Lieblingsstift, dessen Verlust ich in KW 12 beklagte, ist wieder da. Eigentlich ist er schon früher, eine Woche nach seinem Verschwinden, aufgetaucht. Ich hatte ihn in einer Bibliothek liegen gelassen. Zuerst hatte man mir dort auf meine unglückliche Nachfrage hin versichert, es sei wirklich kein Stift gefunden worden. Aber dann suchte eine Mitarbeiterin doch noch einmal gründlich, und siehe da, das Federpennal kam zum Vorschein. Als ich es abholte, pickte der Zettel daran: Gehört Andrea Roedig. Das klingt mächtig. Was gehört einem schon?

Jetzt freue ich mich sehr. Es heißt immer, Dinge seien ersetzbar, aber das stimmt nur halb. Den gleichen Stift noch einmal zu kaufen, wäre ein falscher Trost gewesen. Ich wollte eben diesen, meinen alten Stift wieder haben. Mit ihm habe ich eine Geschichte, und es ist, als sei die Zeit unserer gemeinsamen Erlebnisse in ihn eingegangen. Weil wir Dinge berühren, haftet im wahrsten Sinn des Wortes ein Teil unserer Haut, ein Teil unseres Lebens an ihnen. Das ist das Geheimnis, manchmal aber auch der Fluch der Patina.

Dinge sind anders in der Zeit als wir Menschen. Sie sind beharrlicher, aber nicht unvergänglich, denn sie zersetzen sich, nutzen ab, verlieren Wert an sich oder für uns. Mein Stift ist auch Erinnerung. Er ist Relikt einer Lebensphase, in der ich für schöne Schreibutensilien viel Geld ausgab. Heute würde ich diesen Kugelschreiber gar nicht mehr kaufen, habe ich erstaunt festgestellt. Ich würde ihn höchstens durch einen ganz anderen ersetzen. Wie gut, dass er wieder bei mir ist.

 

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