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KW 18/ 2014: Bankomat

Es gibt Dinge, denen gegenüber sind wir komplett machtlos. Ein Bankomat ist so ein Ding, denn woher weiß man, dass der einen nicht betrügt, und vor allem: Was macht man, wenn er es tut? In der letzten Woche hatte ich eine sehr unschöne Begegnung mit dem Geldautomaten der Hypo Niederösterreich in der Wiener Operngasse. Alles lief nach dem gewohnten Ritual, Geheimnummer eingeben, er fragt, ob er wirklich 150 Euro beheben soll, ich bestätige, es rattert das Zählwerk, ich entnehme erst meine EC-Karte, dann das Geldbündel, das er mir entgegen streckt, schiebe es in die Brieftasche, zögere und ziehe es wieder heraus. In der Hand halte ich sechs 10-Euro Scheine und einen 20er. Das macht keine 150.

Verwirrt stand ich da mit meinem Bündel. Die Bank hatte natürlich schon geschlossen, und mit einem Automaten reden hat ja keinen Sinn. Ich warnte nur meinen Nachfolger, der gar kein Geld mehr herauskriegte, was mich in gewisser Weise beruhigte. Vielleicht war der Bankomat ja leer und würde, die ehrliche Haut, mir auch nur so viel abbuchen wie ausgegeben. – Am nächsten Tag waren aber 150 Euro von meinem Konto abgezogen. Bei der Hypo Noe versicherte man mir, der Automat funktioniere einwandfrei, und ich hätte nachweislich zwei 50er und fünf 10-Euro Scheine erhalten. Nach mir seien noch viele Auszahlungen erfolgt an dem Abend, und außerdem führten sie in ihren Bankomaten gar keine 20er Noten.

Das ist unheimlich. Schließlich war ein 20er in meiner Hand gewesen. Natürlich hatte ich das Geld kurz in die Brieftasche geschoben, in der sich noch andere Scheine, unter anderem ein 50er, befunden hatten. Weiß ich. Glaube ich. Im Gegensatz zum Automaten werden Menschen unsicher. Ich habe hin und her gerechnet, alle Ausgaben des Abends verglichen mit dem, was anderntags noch in der Börse war. Irgendwo ist Geld verloren gegangen. Aber niemand wird mir glauben, und ich werde nie herausfinden, ob mich der Bankomat nicht doch betrogen hat.

 

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