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KW 19/2014: Gassiplatz

Das wäre schon wieder so eine Frage: Kann ein Platz, also ein leerer Raum, ein Ding sein? Eher nicht, würde ich sagen. Das Leopoldstädter Gassiplatzerl aber, als ein Ensemble aus quadratischer Teerfläche, drei fetten Umrandungsrohren, Hinweisschild und zugehörigem Gackerlsackerlspender, ist ein Ding. Eine Installation geradezu. Im 2. Wiener Gemeindebezirk gibt es schon seit 2004 mehrere solcher Zonen, die abgebildete befindet sich in der Zirkusgasse direkt vor dem Eingang des Computergeschäfts, in das ich manchmal gehe.

Wer in Wien lebt, hat ja öfter unschöne Begegnungen mit Hundekot, und ich bin wahrhaftig keine Freundin der tierischen Notdurft in der Stadt. Das bezieht sich nicht nur auf das große, sondern auch auf das kleine Geschäft. In regenarmen Sommern verwandeln sich die Gehsteige meines Wohnbezirks in einen scharf riechenden Flickenteppich eingetrockneter Pfützen, und die unteren Hauswände bröseln so sehr, dass man das Gefühl hat, die Hunde pissen die Straße nieder. Trotzdem: So ein Gackerlplatz ist höchst komisch. In seiner putzig-bürokratischen Aufmachung macht er erst recht deutlich, wie hoffnungslos die Lage ist.

Manche (gar nicht so wenige) Dinge wollen uns Lebewesen disziplinieren. Der Hund soll also hier, genau in diesem harten Quadrat, sein Geschäft verrichten. Weil es so praktisch ist, schließe ich manchmal mein Fahrrad an der Gassiplatzumrandung ab. Ich tue es immer mit ungutem Gefühl, als würde mich irgendwann eine böse Überraschung in Form eines am Reifen oder in den Speichen platzierten Hundekots erwarten. Dürfte ich mich dann eigentlich beschweren?

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