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KW 20/2014: Bürstentier

Demnächst werde ich wieder über weniger schmutzige Themen schreiben, versprochen, aber als Ergänzung zum Gassi-Platz der letzten Woche muss auch etwas über Porzellantierklobürstenhalter gesagt sein. In meinem Bezirk begegne ich diesen Dingen immer wieder in den Auslagen diverser Sanitärgeschäfte. Es gibt sie in vielen Varianten, als Katzen, Hunde, Dinosaurier, Elefanten, Enten, aber auch als Fische, Bären, Seerobben, Pinguine und Frösche. Ruhig und treuherzig sitzen sie da und verbergen geduldig des Menschen Werkzeug.

Man kann das verstehen. Die Klobürste ist kein schönes Ding, sie soll nicht nackt sein und muss irgendwo hingestellt werden. Zu diesem Zweck haben Designer sich schon einiges einfallen lassen, und die Tierverkleidung gilt als lustige Dekoration. Menschen umgeben sich ja eh gern mit ihren animalischen Artgenossen in allerlei verplüschter Form. Wer hat sonst schon gefahrlos einen Tiger bei sich zu Hause auf dem Häusel sitzen?

Die Klobürstentiere schauen nicht unzufrieden drein, aber mich machen sie beklommen. Vielleicht, weil sie entfernt an die mittlerweile verfemten „Negerfiguren“ erinnern, die als Dienerattrappen für bürgerliche Wohnungen eine zeitlang in Mode waren. Versteinerte Sklaven. Recht besehen hat auch der Griff, wie er da aus dem hohlen Rücken der Tiere stakt, etwas ziemlich Brutales. Dem Tier an die verwundbare Stelle, direkt ins Mark sozusagen, die Klobürste zu stecken, ist symbolisch nicht gerade ein feiner Zug. Als wollte der Mensch sich auch ein bisschen rächen. Im Gegensatz zu anderen Lebewesen müssen wir ja recht sauber sein und unseren Dreck auch noch selbst wegmachen. Dann soll das Tier wenigstens die Reste tragen.

Kommentare

One thought on “KW 20/2014: Bürstentier”

  1. Christina Repolust sagt:

    Super, ganz meine Meinung. Ich genieße die Anspielungen und Beschreibungen in deinem Blog, mich machen auch WC-Enten immer konfus. Ikea hatte mal kurze Zeit schwarze WC-Bürsten, die wollte ich dann auch nicht: Warum nur muss es überall so gut riechen,d as Leben ist ja echt kein Duftbäumchen,
    liebe Grüße aus Salzburg
    Christina (Repolust), die in ihrem Text gerade einen s-ss-ß-Fehler entdeckte, echt scheiße gemacht, Repolust, das weckt das Viech in mir!
    Schönes Wochenende!

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