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KW 21/2014: Spielzeug

Manchmal ist der Mensch aus unerfindlichen Gründen einfach traurig. Es gibt gar keinen besonderen Anlass, aber das Leben will nicht schmecken, eine fade Trostlosigkeit legt sich über die Tage, und wenn es zudem – wie in der vergangenen Woche – ohne Unterlass aus Kübeln schüttet, ist wirklich nichts zu retten. In solcher Stimmung bin ich am Freitag vor einem Spielwarengeschäft in der Taborstraße stehen geblieben, und plötzlich weckte die Auslage den unbedingten, scharfen Wunsch, mir jetzt auf der Stelle ein Playmobil-Männchen zu kaufen.

Das geht mir oft so. Spielwarengeschäfte lösen immer noch diesen kurzen Flash einer alten Sehnsucht aus, und es sind nicht die großen Dinge, die mich anziehen, sondern die Männchen, Figürchen, Tierchen, irgendetwas Kleines, das in die Tasche zu stecken wäre und das Elend der Welt aufhöbe. Ich muss dann an mich halten und ganz vernünftig auf mich einreden, um nicht doch ein Stofftierchen zu kaufen, das ich, zu Hause angekommen, beschämend hässlich finden werde. Als ich am Freitag den Spielwarenladen betrat, machte aber die schale Masse an Mini-Zauberfeen und Ritterfiguren sofort klar, dass auch Playmobil nicht helfen kann.

Hin und wieder kaufe ich, aus einer besseren Laune heraus, aber doch kleines Spielzeug. Es besetzt dann für einige Zeit meine Wohnung, um mich an irgendetwas zu erinnern. Das Spielzeug-Cabrio mit den roten Sitzen und Türen, die sich öffnen lassen, steht für Sommer, Freiheit, glamouröses Herumcruisen und dafür, dass ich kein echtes Auto will. Ich will die Phantasie. Es gibt richtige und falsche Dinge. Die richtigen machen fröhlich, die falschen verstärken die Traurigkeit, aus der man mit ihrer Hilfe entfliehen wollte.

 

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