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KW 23/ 2014: Der Schlüssel

Manchmal mache ich mir einen Spaß daraus und bestimme, welche Dinge um mich herum „mit ins Paradies“ kommen, also in jenes himmlische Leben nach dem Tod, das man sich als wiedergefundenen Garten Eden vorstellen könnte. Der Schlüssel, das ist definitiv, kommt nicht dorthin.

Weil es für mich als Radfahrerin praktisch ist, sie immer griffbereit am Rucksack oder am Taschenband befestigen zu können, hängen meine Schlüssel an einem großen Karabinerhaken. Mittlerweile hat sich der ganze Bund aber zu einem unhandlichen Riesenklops ausgewachsen, dessen Einzelschlüssel – gesichert durch einen zweiten Karabiner – sich gerne gegeneinander verhaken, was das Auf- und Abschließen der Wohnung oft zu einer mühsamen, polternd-türrahmenschädigenden Aktion macht, je nach Laune der Schlüssel. Eine bessere Lösung habe ich bislang nicht gefunden.

Eigenartig, als Metapher hat der Schlüssel oft eine positive Bedeutung. Da gibt es Schlüsselkompetenzen, Schlüsselpositionen, man kann denkerisch etwas entschlüsseln oder hat sogar den Schlüssel zum Herzen von jemandem. Aber obwohl er so wichtig ist und wir ihn immer bei uns haben, wird der Schlüssel nie ein persönliches Ding. Er ist Werkzeug, gehört dem Schloss, dem Haus, nicht uns. Er geht durch viele Hände.

Zudem ist der Schlüssel immer prekär, man sollte ihn besser nicht verlieren. Wenn ich berechne, wie viel Lebenszeit ich beim Auf- und Abschließen diverser Türen und Fahrradschlösser verschwendet habe, wie viel Nervenkraft die tägliche Schlüsselpanik „Habe ich abgeschlossen?“ oder  „Wo ist er?“ kostet, dann ist klar: das Paradiesische am Paradies wird sein, dass man dort nichts mehr durch Schlüssel schützen muss.

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