11

17

Aktuelle
Ausgabe:
Zum Shop
KW 25/ 2014: Böses Ding

Im Wiener Hofmobiliendepot läuft derzeit eine Ausstellung mit dem reißerischen Titel „Böse Dinge“. Gemeint sind damit Gegenstände, die in technischer, ästhetischer oder moralischer Hinsicht gegen dingliche Tugenden verstoßen. Den historischen Kern der Ausstellung bildet die Sammlung des Kunsthistorikers Gustav Patzaureck, der 1909 im Landesgewerbemuseum in Stuttgart eine „Abteilung der Geschmacksverirrungen“ eingerichtet hatte, um die Menschen anhand abschreckender Design-Beispiele ästhetisch zu erziehen. Die silberne Flasche auf Rädern stammt aus dieser Sammlung und ist ein Staubsauger in Form einer Bombe.

Die Ausstellung führt die Demonstration und Kategorisierung von Design-Grausamkeiten bis in die Gegenwart fort. Es kann auch jede und jeder beitragen, ein Accessoire aus dem eigenen Besitz dort abstellen und mit einem Etikett versehen, auf dem steht, was an dem Ding nun falsch ist. Ziemlich viel von dem, was wir alle aus Wohnungseinrichtungs- , Souvenir- und Geschenkläden kennen, ist dort versammelt: Spülbürsten mit Füßen (billige Originalität), glitzersteinbesetzte Handyhüllen (Ornamentwut und Schmuckverschwendung), jede Menge obszön geformter Aschenbecher, Tassen, Salz- und Pfefferstreuer (Sexismus). Mein Liebling ist der „Eigelbtrenner“ – eine als Gesicht geformte Tasse, der beim Schwenken das Eiweiß aus der Nase rinnt (Patenthumor).

Wie sie da aber so ausgestellt sind, diese Undinge, als wären sie in einem Zoo der Neugier dem herablassenden Gespött des Publikums freigegeben, könnten sie einem auch schon wieder leid tun. In der Menge der Besucher-Mitbringsel habe ich zwei Gegenstände wie zufällig nebeneinander stehend gefunden, die ich selbst als Kind einmal besaß: Einen Porzellanblumenübertopf in Form eines kleinen Schwans und eine Spielzeugpistole, die „Jaguarmatic“. Ich habe diese Dinge gemocht. Vielleicht habe ich mich ein bisschen für sie geschämt, weil ich wusste, dass sie kitschig waren oder – im Fall der Jaguarmatic – nicht mädchenkonform. Aber für mich hatten sie Bedeutung, sie waren einzigartig. Richtig gute Dinge eben.

Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.