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KW 26/ 2014: Kein Ding

Ein Jahr lang, so habe ich mir vorgenommen, will ich diesen Blog führen. Das ist nicht einfach durchzuhalten, denn es gibt zwar unzählige Dinge. Sich aber fortwährend mit ihnen zu beschäftigen, wirkt beengend. Daher wird in dieser Woche der Spieß mal umgedreht, und es gilt die Frage: Was ist eigentlich kein Ding? Alles, was lebt jedenfalls. Also Menschen, Tiere, Pflanzen und der Geist. Worte, Bilder, Töne, Gedanken und Ideen, die Zärtlichkeit, der Tag und die Nacht sind keine Dinge.

Als ein „Ding“ würde man auch nicht bezeichnen, was sich ohne feste Form ausdehnt: das Meer, den Strand, die Luft, das Licht, den Schall, die Wolken oder den Regen, das Universum. Farben sind keine Dinge, auch wenn sie an den Dingen kleben, Gerüche, Temperaturen von Heiß bis Kalt und überhaupt alle Eigenschaften, die etwas hat. Auch Schönheit ist kein Ding.

Dann gibt es Zwischenarten, bei denen man nicht recht weiß, ob es sich um Dinge handelt. Alles, was sehr groß ist, sprengt den Rahmen. Ist ein Hochhaus noch ein Ding, ein Berg oder ein Gebirge? Aus dem Rahmen fällt auch, was sehr klein wird. Das Atom, das Molekül, das Nanoteil. Unklar werden die Grenzen beim ehemals Belebten. Ein Baum ist kein Ding (oder doch? – er wächst so langsam), ein einzelner, abgefallener Ast aber schon. Alles Abgestorbene, Abgetrennte wird irgendwann zum Ding, es „versteinert“, „verholzt“, „verlandet“, so sagt man.

Dinge existieren genau zwischen den Kategorien, die für uns gelten; sie leben und sterben auf ihre Weise. Das macht sie so reizvoll, einerseits. Wenn sie andererseits fremd und bedrückend wirken, so liegt das wohl daran, dass sie immer auch etwas vom Tod in sich tragen.

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