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KW 27/2014: Fees Pumps

Was macht ein Ding lebendig? Da gibt es diese Neuerwerbung meiner Freundin Fee zum Beispiel. Man muss sich das vorstellen: Wir sind zu dritt eingeladen in Fees altem Bauernhaus in Kärnten, sitzen beim Frühstück im verwilderten Garten, um uns herum hohe Gräser, die dringend eines Schnitts bedürften. Da zieht Fee wie ein zu lüftendes Geheimnis plötzlich zartrosa lackglänzende, spitze Prada Pumps heraus, die sie tags zuvor in Klagenfurt! erstanden hat. Großes Hallo. Solche Schuhe am Land. Sie passen perfekt zu Fee, weil an ihr sonst nichts so aussieht wie diese Schuhe.

Vielleicht ist es falsch zu sagen, diese Pumps lebten. Sie machen Fee lebendig. Etwas hüpft in ihr vor Freude über den Fang, den Besitz, die Grenzüberschreitung des Luxus. Aber auch die Schuhe tun etwas. Sie lassen „Zehendekolletee“ sehen zum Beispiel, was Fee ganz besonders keck findet. Außerdem hatten sie ihren Preis. Man musste sie finden, jagen und etwas für sie hergeben, also in eine Art Stoffwechsel eintreten, was ja das Prinzip allen Lebens ist.

Fees Pumps haben extrem feine Ledersohlen, die an der Spitze unten, wo man eigentlich nicht hinschaut, kleine Verzierungen tragen. Oberhalb der Sohle ist eine hauchdünne schwarze Lederkante eingearbeitet, die einen schönen Kontrast zum Rosa gibt, und die Borten um Schaft und Absatz herum sind aus feinem Wildleder. So viele Details, so leicht zerstörbar. Sie erscheinen als Teil des Dings, sind aber auch die Handschrift von jemandem. Irgendwer hat sich etwas dabei gedacht, sie zu gestalten, irgendwer hat sie hergestellt. Lebendig sind die Schuhe, weil in ihnen – wie Marx sagen würde – menschliche Arbeit steckt; weil in ihnen, wie in jedem Artefakt, unbemerkt etwas von den Menschen fortwirkt, die selbst ein Stück Leben an das Ding verloren.

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