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KW 35/ 2014: Kleiner Daruma

Manchmal, wenn ich Fernweh habe, gehe ich in exotische Geschäfte und schaue mir Dinge an, die fremd aussehen, von anderen Welten erzählen. Dieser kleine Kerl hier kam ganz von selbst zu mir als Mitbringsel einer Freundin, die kürzlich in Japan war. Er hat Form und Gesichtszüge des Daruma, eines beliebten japanischen Glücksbringers, eigentlich aber ist er ein Radiergummi. Wenn man ein bisschen auf ihm herumdrückt, öffnet er sich wie ein Überraschungsei und lässt sich in vier ineinander gesteckte Einzelteile zerlegen, das helle Gesicht bleibt als Mini-Maske übrig.

Was mich an ihm anzieht, ist die runde, glatte Form. Er ist beides, ein Handschmeichler und doch eine Figur mit Gesicht, ein kleines Wesen. Darin erinnert er mich an die Plastiktierchen, die ich als Kind mehr liebte als alles gute und teure Spielzeug. Wen es da nicht alles gab, einen komisch zusammengekauerten Affen mit breit grinsendem Maul, einen hellblauen Drachen, der sich sauber in drei Krümmungen auffaltete und Fips hieß, eine Daisy-Duck, der bei heftigem Spiel der Kopf abbrach.

Diese Figuren durften ruhig eine eigenartige Mimik haben. Wichtig an ihnen war, dass keine ausladenden Gesten machten, sondern eine kompakte Form hatten, die Gliedmaßen eng an den Körper geschmiegt, so dass man sie gut in der geschlossenen Hand halten oder in der Hosentasche immer bei sich tragen konnte. Dass sich der kleine Gummi-Daruma auseinandernehmen und gar wegradieren lässt, hätte mir als Kind nicht gefallen. Ich habe meine Figürchen beim Spiel zwar oft zerstörerischen Operationen ausgesetzt, aber sie selbst sollten robust sein, unvergänglich, kleine Totem-Tiere. Mit ihnen im Gepäck war man nie allein.

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