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KW 37/2014: Wunschding

Manchmal hätte man gerne Dinge, die es gar nicht gibt, oder zumindest noch nicht. Ein entfernter Bekannter, Jahrgang 1955, erzählte mir einmal, er habe sich als Jugendlicher immer vorgestellt, beim Spazierengehen Musik bei sich zu führen und gleichzeitig die Hände frei zu haben; nur war überhaupt nicht vorstellbar, wie das funktionieren könnte. Ein paar Jahre später kam der erste Cassetten-Walkman auf den Markt, und seither ist es das Normalste auf der Welt, permanent in einer Klangwolke herumzulaufen. Wunder der Technik. Ingenieure sind mit nichts anderem beschäftigt, als aus Wünschen Dinge werden zu lassen.

Ganz perfekt klappt das natürlich nie. Das märchenhafte Tischlein deck dich, Goldesel und Knüppel aus dem Sack, Aladins Wunderlampe, Zauberringe, Fliegende Teppiche, Laserschwerter sind immer noch nicht Wirklichkeit, oder wenn, dann doch notwendigerweise ziemlich holperig. Denn oft besteht der Zauber der imaginierten Gegenstände gerade darin, die Begrenzungen der materiellen Welt aufzuheben, wie die Tarnkappe, die ein ja Ding ist, das Dinge verschwinden lässt.

Mein Wunsch- und Wunderding wäre (neben einem Haushaltsroboter) die perfekte Wetterhaut. Nein, ich meine keine überteuerte und nach zwölf deftigen Gewittern wieder undichte Goretexjacke, keine umständlich zu besteigende Regenhose, keine Schweißfuß-Gummistiefel. Diese Wetterhaut wäre ein federleichter Umhang, beim Tragen kaum zu spüren, klein zusammenzupacken, und sie würde, einmal angelegt, Regen und wahlweise Kälte oder Hitze abweisen. Unter ihr könnte man immer im T-Shirt gehen oder der Kleidung, die gefällt, und nachts durch sie geschützt im Freien schlafen. Wie schön wäre es, in Regen und Kälte hinausradeln zu können, ohne gleich auszusehen wie ein Astronaut bei der Mondlandung. Ach, Ideen sind immer leichter als die Dinge.

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