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KW 41/2014: Bart

Meinen normalerweise immer glatt rasierten und wohlduftend geaftershaveten Freund T. hatte ich seit rund fünf Monaten nicht mehr gesehen. Letzte Woche saß er mir plötzlich mit Rauschebart gegenüber. Neinein, er sei nicht im Begriff den orthodoxen Juden zu spielen und wolle auch nicht zum Islam konvertieren, beruhigte T. meine unkundigen Nachfragen. Der Bart sei im modischen Kopenhagen, wo er gerade lebt, – aber nicht nur dort – das fast schon wieder im Verschwinden begriffene Accessoire des hippen Mannes, vulgo Hipsters.

Das Schöne an T. ist, dass man ihn am Haar zupfen darf, und so verbrachten wir eine lustige Viertelstunde mit empirischen Studien zum drahtigen Gewusel, das ja auf wundersame Weise eine ganz andere Struktur hat als Haar auf dem Kopf oder sonstwo am Körper. Ein Bart wächst ungleichmäßig, lernte ich, an den Seiten schneller als am Kinn, alle zwei Tage sollte man ihn shampoonieren, damit er nicht anfängt, schlecht zu riechen, und er muss nach unten gebürstet sein, das ist die angesagte Form gerade. Bei T. hat sich jetzt auch eine neue Geste eingeschlichen, nämlich dass er versonnen am Kinn krault und aus kleinen Haarbüscheln Löckchen dreht.

Ein Bart ist ein Ding das wächst, aber nicht bei allen, das ist der Trick. „Gib zu, du hättest auch gern einen“, meinte T. ob meines ausgiebigen Interesses. Hm, nein, nicht wirklich. Aber an dieser Stelle sei mal ein Hoch auf Conchita Wurst und ihr eigentlich feministisches Verdinest ausgesprochen: Sie macht den Damenbart hoffähig!

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