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KW 42/2014: Buchrückgabeschlund

Ganz in meiner Nähe, das heißt hinter dem Prater, wurde in diesem Jahr der neue Campus der Wiener Wirtschaftsuniversität eröffnet. Das Gelände strotzt nur so vor verspielten Futurismen und spiegelt in seiner ganzen Architektur, dass Arbeit künftig nicht mehr nach Schweiß stinken wird, sondern nach Freizeit. Vorherrschendes Element innen und außen ist daher die Lounge, künstlerisch inspirierte Sitzgelegenheiten stehen überall herum, Kommunikationsecken und Cafés, und im Zentrum all dessen schwebt – wie ein bombastischer Raumgleiter kurz vorm Abheben – eine weiß schimmernde Bibliothek, die ziemlich viele Snack-Automaten beherbergt.

Erst in dieser Woche entdeckte ich hier die automatische Buchrückgabe. Irgendwie macht dieses Ding gute Laune, vor allem im Vergleich zu den herkömmlichen Rückgabekästen. Die sind ja – an der Wiener Hauptuni zum Beispiel – wie Altkleidercontainer mit einer Art Schaufelklappe versehen. Man legt das Buch hinein, hört es nach dem Schließen der Klappe auf der anderen Seite unsanft herabplumpsen und denkt sich jedes Mal: das tut ihm nicht gut.

Anders an der WU. Kaum liegt das entliehene Buch in der rechteckigen Öffnung, ist es ruckzuck auch schon wie auf einem magischen Luftkissen eingesogen, geräuschlos weg und sogleich als zurückgegeben vermerkt. Man kann sich zum Beweis eine Quittung ausdrucken. Auch wenn es immer unheimlich ist, einen Gegenstand unumkehrbar in einem Schlund verschwinden zu sehen, muss ich doch sagen: Wunder der Automatisation.

Jenseits der Pappwand – ich hab durch den Schlitz geschaut – geht es allerdings recht profan weiter. Ein Förderband leitet die Bücher und lässt sie schließlich vorsortiert, doch wie eh und je, in Plastikwannen fallen.

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