11

17

Aktuelle
Ausgabe:
Zum Shop
KW 43/2014: Mein Ding

„Ich glaube nicht, dass die Beziehung zwischen einer Person und einem physischen Objekt, egal ob es sich um ein Spielzeug, ein Werkzeug, eine Waffe handelt … jemals nur eine einfache Geschichte zwischen einer Person und einer Sache ist; es ist immer eine Dreiecksbeziehung zwischen mindestens zwei Personen und einer Sache.“ Dieser Satz der britischen Psychoanalytikerin Susan Isaacs (1885 – 1948) ist plausibel und zugleich verstörend.

Genau genommen hieße Isaacs „triangular relation“ ja, dass man nie mit einem Gegenstand allein sein kann, dass sich im Ding immer ein (abwesender) Mensch versteckt. Kann das sein? Was ist mit den Sachen, die wir ganz allein für uns haben wollen, den geheimen Dingen, den Talismanen, den schamhaft versteckten Plüschtieren, dem, was wir niemals verleihen würden?

Ich durchkämme meine Wohnung, und tatsächlich gibt es hier kaum einen Gegenstand ohne sozialen Sinn. Kleidungsstücke sollen mir gefallen, was aber im Grunde heißt, dass ich Anderen auf bestimmte Weise erscheinen will. Auf und an meinen Möbeln, Sofa und Tisch, sollen hin und wieder Menschen Platz nehmen können. Die meisten kleinen Gegenstände, die herumstehen, erinnern mich an bestimmte Personen; Bücher und CDs können sehr persönlich sein, enthalten aber eine Welt, in der Menschen vorkommen. Selbst mein Tagebuch wendet sich an eine dritte Instanz, die halb ich, halb ein imaginierter Anderer ist.

Natürlich habe ich ein paar Dinge ausfindig gemacht, von denen ich denke, dass sie sich nur auf mich beziehen. Mitbringsel aus dem Wald oder als Fundstück ein rostiges Eisenstück von meiner Dachbaustelle. Ich habe auch ein paar sehr hässliche Kniewärmer, von denen ich wirklich nicht will, dass sie jemand sieht. Ersatzweise zeigt das Foto meine Pulswärmer. Auch die trage ich nur, wenn keiner guckt. Allerdings erinnern sie mich an jemanden …

Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.