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KW 44/2014: Das Heftpflaster

Es ist eine offenbar nicht totzukriegende Tradition, dass Staaten ihre Nationalfeiertage mit der Zurschaustellung von Militärgerät begehen. Gestern, am 26.10, präsentierte auf dem Wiener Heldenplatz das Bundesheer daher zwischen Würstelständen wieder seine Haubitzen und Hubschrauber. Familien kommen gerne hierher und lassen sich auf dem Braungrün des matschig getretenen Rasens etwas vorführen. Zum Beispiel wie das Jägerbatallion 25 unter Musikgebrause und Theaternebel seine  Männer in martialischer Vermummung aufbaut, bereit fürs Fotoshooting, um das sich vor allem blonde Damen und pubertierende Jungs reißen.

Das Militär lebt, bei allem blutigen Ernst, von einem irgendwie kindlichen Phantasma. In einer bestimmten Lebensphase, im Alter von acht bis zehn etwa, mochte ich Maschinengewehre, Panzer und Militärgrün. Ich besaß das kompakt abwaschbare Soldaten-Handbuch „Der Reibert“ und spielte mit meinen Cousins zwischen den zu Hügellandschaften aufgeworfenen Wohnzimmerteppichen Stellungskriege mit Miniatursoldaten. Die gab es truppenweise in Päckchen zu kaufen, fingergliedgroß.

Von der alten Attraktion ist wenig geblieben, heute finde ich Militaria eher bedrückend; formlos uniform eben und ruppig funktional. Auf dem Rücken eines der  Jägerbatallion-Kämpfer dort auf dem Heldenplatz entdeckte ich ein Heftpflaster, das den Riemen seiner Schutzweste zusammenhielt. Es hat mir gefallen, dass dieses kleine Pflaster Unordnung stiftete wie ein frecher Zivilistenkäfer, der die militärische Disziplin stört. Den trügerischen Traum von unverwundbarer Stärke. Man fragt sich, ob das Bundesheer nicht eigentlich auch über Camouflage-Heftpflaster verfügt?

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