11

17

Aktuelle
Ausgabe:
Zum Shop
KW 49/2014: Wittgensteins Klinke

In der Kundmanngasse in Wien steht, irgendwie halb vergessen und als kleine trutzige Burg, ein Haus, das der Philosoph Ludwig Wittgenstein in den Jahren 1926 bis 1928 für seine Schwester Margarethe Stonborough entwarf. Wittgenstein war natürlich kein Architekt, er hatte ein paar Semester Maschinenbau studiert und er suchte – auch in seinen Schriften – wie besessen nach der klaren, absoluten Form. Wenn man die Dinge bis aufs Wesentliche reduziert, kommt nicht unbedingt etwas Leichtes heraus.

Wittgensteins Türklinken zeugen davon. Es sind wirklich nur rohe, gebogene Rundstäbe, gleichzeitig extrem ausgeklügelt in der genauen Abmessung. Sind diese Türgriffe schön? Ich bin unschlüssig. Bei meinem Besuch im Wittgenstein Haus habe ich sie nur angesehen, nicht befühlt, weil diese strengen, massiven Dinger offenbar nicht sagten: „Greif mich mal an“. Trotzdem mochte ich das Haus in seinem verzweifelten und sehr vergeblichen Kampf gegen die wuchernde Unordnung des Lebendigen.

Türgriffe sind Boten des Übergangs. Sie sind zum Anfassen gemacht, doch man hält sie nie lange in der Hand. Es sei denn, man kann sich nicht entschließen zu gehen.

Kommentare

One thought on “KW 49/2014: Wittgensteins Klinke”

  1. Renate Reitinger sagt:

    Einfach. Schön. Runder Stab mit kleiner Ausbuchtung.
    Danke für die Gedanken dazu.
    Bei meinem nächsten Wienbesuch werde ich sie befühlen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.