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KW 51/2014: Kuschelbuddha

Eine Freundin ist in der letzten Woche weggezogen. Mehr als 30 Jahre hat sie in Wien gelebt, jetzt geht sie fort und hat einen ziemlich großen Hausstand aufgelöst. Unter anderem brachte sie altes Meissner Porzellan aus Familienbesitz zum Verkauf ins Dorotheum. Manche Stücke aus dem wertvollen Service waren nicht mehr richtig sauber zu bekommen, hat die Freundin bei der Gelegenheit bemerkt und den denkwürdigen Kommentar von sich gegeben: „Die Dinge erinnern nur Dreck.“

Natürlich landet der Kuschel-Buddha nicht im Dorotheum, er zieht mit fort, und zwar in einem besonderen Koffer, in dem das Wichtigste steckt. Die Stofffigur war eine unter den vielen Gegenständen, die der Freundin nach einem Trauerfall geschenkt wurden. Alle möglichen Dinge habe sie bekommen, zum Trost, aber der Buddha war ihr der Liebste. Er saß immer an ihrem Bett, und wenn die Freundin morgens das Fenster öffnete, meinte sie, ihn sprechen zu hören. Er beschwerte sich, sein Rücken werde kalt.

Normalerweise sind Buddha-Figuren aus harten Materialien: Stein, Bronze, Holz. Diese hier aber bricht mit den Materialkonventionen – deshalb mag die Freundin sie –, der flauschige Stoff entspreche dabei perfekt der weichen Körperform des Erleuchteten und auch der Sanftheit des Buddhismus. Ich bin mir gar nicht so sicher, ob die östlichen Religionen wirklich so sanft sind. Aber es wird schwer sein, ein christliches Äquivalent finden. Einen Kuschelchristus, ein Kuschelkreuz gibt es nicht. Oder? Wer weiß.

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