11

17

Aktuelle
Ausgabe:
Zum Shop
KW 5/2014: Papierspender

Über Dinge kann man im Besonderen reden oder im Allgemeinen. Ganz generell sollte man mal ein paar Worte über eine Gerätschaft verlieren, mit der wir an öffentlichen, aber doch sehr stillen Orten meist allein gelassen sind. Es ist nämlich nicht ganz einzusehen, woher der so genannte Papierspender seinen Namen hat. Ich jedenfalls befinde mich regelmäßig im Kampf mit diesen Dingern, die für alles Mögliche gut zu sein scheinen, nur nicht dazu, Papier herzugeben, also zu spenden.

Das Problem ist eines von Fülle, Leere und Gewicht. In den Waschräumen der Bahn z.B. sind Papiertuchhalter oft so dicht bepackt, dass man arg herumpuhlen und etliche der Servietten zerreißen muss, um bitte, bitte etwas herauszukriegen. Dasselbe gilt für die Version von Toilettenpapierbox, bei der man das Papier vorne aus einem kleinen, engen Löchlein ziehen muss. Was da herauskommt, ist wirklich nicht üppig, und während ich mich mühsam zur ausreichenden Papiermenge vorarbeite, kommt es mir vor, als säße in der Box ein kleiner Mann, der Tauziehen veranstaltet und von innen beharrlich festhält, was ich herausziehen möchte.

Überhaupt sind die riesigen Toilettenpapierspender, die wie quergelegte Tortenschachteln an den WC-Wänden angebracht sind, problematisch. Denn entweder ist die Papierrolle noch so voll, also schwer, dass sie sich kaum abwickeln lässt und durch den Widerstand beim Herausziehen das dünne Papier nach jedem perforierten Blättchen reißt. Oder der Anfang der Papierschlange ist im Dunkel der Box verschwunden, man muss von unten mit der Hand hineingreifen und nachfühlen, bewegt die Rolle, blind tastend, immer erst in die falsche Richtung, so dass sich das Papierende listig verstecken kann und nicht hervorkommt. Oder das Papier ist eh aufgebraucht, dann greift die suchende Hand tief im Kasten herum, bis sie endlich an dem mageren, leergewetzten Pappkern ankommt, der natürlich nichts, rein gar nichts mehr spendet.

Sicher, es gibt größere Probleme unter der Sonne, und es gibt schönere Dinge. Denn genau genommen sind Papierspender nie hübsch. Lieblos funktional in Plastik, Blech oder Chrom gehalten, wirken sie stets ein bisschen grindig und suspekt, weil man ja nie weiß, wer schon alles an ihnen herumgegrapscht hat. Vielleicht wollen sie durch ihre Widerspenstigkeit nur auf ihr unerkanntes Schicksal aufmerksam machen.

Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.