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KW 52/2014: Lenins Köpfe

Das Jahr geht zu Ende und mit der Kalenderwoche 52 auch dieser Blog. Eigentlich müsste der kleine Erzgebirge-Engel vom Anfang den Kreis schließen. Er hängt nämlich jetzt wieder am Rehgehörn in meinem Zimmer und ist immer noch der einzige Weihnachtsschmuck, den ich besitze. Meist mag ich von Dingen nur wenige. Der Gegenpart zum kleinen Engel aber sind diese Lenin-Köpfe aus der Wohnung eines Bekannten, der ein manischer, vielleicht auch gequälter Sammler ist.

Er hat von allem viel: Uhren, Schallplatten, Bücher, Musikinstrumente, Fahrräder, Stühle, Bilder und eben auch Lenin-Skulpturen. Mit denen hat es eine besondere Bewandtnis, denn dem Bekannten fielen recht früh die Haare aus. Über das Unglück konnte ihn nur hinwegtrösten, dass auch der Genosse Lenin einen recht kahlen Schädel hatte, aber genau deswegen cool aussah, charismatisch eben. So wurde ihm Lenin zum Vorbild und natürlich zur Devotionalie.

Ich frage mich, welchen Unterschied es macht und was das über eine Person aussagt: Ob sie lieber nur ein einziges Exemplar einer Sache haben möchte oder möglichst viele. Sammeln sei eine Form der Melancholie, meint der Lenin-Verehrer, es sei eine Ablenkung von der Einsamkeit. Vielleicht, denke ich, sind Asket und Sammler nur zwei Seiten einer Medaille. Denn ein einzelner schwebender Engel sieht auch nicht fröhlicher aus als 30 aneinandergekuschelte Lenins.

Es ist ein Widerspruch an den Dingen. Sie sind Medien der Verbindung, doch im Grunde handeln sie von Einsamkeit. Wir sind einsam, weil wir endlich sind, irdisch, materiell. Daran erinnern die Dinge. Sie sind unsere Geschwister im Tod. Auferstehen werden wir ohne sie.

Kommentare

One thought on “KW 52/2014: Lenins Köpfe”

  1. alexandra sagt:

    ist das wirklich der letzte Ding der Woche-Blog-Eintrag !?

    oh….. wie schade!!!

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