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KW 9/2014: Falsche Fontäne

In der vergangenen Woche war ich zum zweiten Mal in meinem Leben in Rom. Der erste Besuch ist lange, lange, sehr lange her und entsprechend dünn war meine Erinnerung. Damals jedenfalls lief ich kulturbeflissen mit einem Berlitz-Reiseführer herum (daran erinnere ich mich noch genau), heute habe ich das Sightseeing-Spiel komplett aufgegeben und lasse mich lieber führerlos treiben.

Zum Trevi Brunnen wollte ich aber doch. Ich erinnerte ihn als ein beeindruckend monumentales Wasserspiel in Azurblau auf einem romantischen Platz inmitten alter Gebäude, linkerhand davon hatte sich in mir das Bild von einem Park festgesetzt oder einer Mauer mit Bäumen dahinter.

Wir, meine Begleiterin und ich, bemühten uns also per U-Bahn zur Station „Barberini/Fontana di Trevi“. Doch oben auf dem Platz stand nur dieses mickerige Ding: Ein von vier groben Fischschwänzen getragener Muskelkerl, der aus dem Muschelhorn eine kümmerliche Fontäne bläst, rundum rauscht Verkehr. „Das kann nicht der Trevi-Brunnen sein“, sagte ich. „Warum nicht?“, meinte meine Begleiterin. Immerhin saßen Leute auf dem Brunnenrand, rund 20, und einige fotografierten sich auch davor. Ich war enttäuscht und verwirrt. Es musste doch alles viel größer sein, außerdem warf hier niemand Münzen über die Schulter ins Wasser, ein altes Ritual am Trevi-Brunnen. „Vielleicht wurde umgebaut“, tröstete meine Begleiterin, die eh findet, Realität sei überbewertet und sich stattdessen lieber alles Mögliche ausdenkt.

Auf unser eigentliches Ziel stießen wir später per Zufall. Die Fontana di Trevi liegt ein gutes Stück von der U-Bahn Station entfernt in einem Gewirr von Gassen. Man kam kaum heran vor lauter Menschen, 400 waren es mindestens, und alle warfen Münzen über die Schulter ins Wasser zum Zeichen, dass man wieder nach Rom zurückkehren wolle. Ja, das ist der Trevi-Brunnen! Groß, mächtig, pompös erhebt sich Neptun übers Gewässer. Aber mein zauberhafter Brunnen, der Brunnen meiner Erinnerung, war das nicht mehr. Im Rückblick habe ich die falsche Fontäne fast lieb gewonnen. Fontana di Tritone heißt sie überdies. Damit man das nicht verwechselt.

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