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KW 12/2014: Lieblingsstift

Ich wollte irgendwann meinen Lieblingskugelschreiber zum Ding der Woche machen, aber jetzt kann ich ihn nicht einmal fotografieren (sondern nur ein leeres Kästchen, in dem er damals verkauft wurde). Am vorvergangenen Wochenende verschwand mein Federmäppchen, darin war der edle Pelikan-Stift mit Goldclip und den grün-schwarzen Streifen, die perfekt altes Perlmutt imitierten. Er hat mich seit vielen, sicher seit mehr als 15 Jahren begleitet, und ich wusste, dass das irgendwann passieren würde. Dieser Stift ist viel zu schön, um nicht verloren zu gehen oder gestohlen zu werden.

Es war ein Spiel mit uns. Gemeinhin sind wertvolle Schreibgegenstände Preziosen für den heimischen Gebrauch, man nimmt sie nicht einfach mit in alle Alltagssituationen. Ich aber mochte ihn so gern, meinen Kugelschreiber, er war mein Talisman, mein Halt in angespannten Situationen – etwa wenn ich Seminare gab – aber auch eine kleine Extravaganz. Ich bin oft auf den Stift angesprochen worden. Es war, als wollte ich ihn absichtlich ein bisschen der Gefahr aussetzen und mich der Möglichkeit des schmerzhaften Verlusts.

Zwei Mal hatte ich ihn schon aufgegeben. Da war er für Tage, einmal sogar für Wochen verschwunden. Ich durchsuchte alles, so wie jetzt auch, und konnte ihn nicht finden. Dann tauchte er plötzlich in den unmöglichsten Ecken wieder auf, in geheimen Fächern von Taschen, von denen ich nicht weiß, wie er dorthin gelangt ist. Aber er ist immer zurückgekommen. Sind aller guten wie schlechten Dinge drei? Dann bleibt offen, wie man es deutet: Beim dritten Verlust ist er endgültig weg. Oder: Drei Mal wirst du ihn wiederfinden. Das wäre ja eine Hoffnung.

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