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„Leinen los, Frau Kapitän!“
Stefanie Oberlechner ist die einzige „Frau Kapitän“ bei der DDSG (Donaudampfschifffahrtsgesellschaft).

Sie kommen aus Tirol. Da liegen die Berge näher als die Donau. Wie kamen Sie auf den Beruf „Frau Kapitän“?
Stefanie Oberlechner: Ich wollte auf jeden Fall etwas Außergewöhnliches machen. Als ich einmal am Achensee baden war und die Schiffe gesehen habe, hab ich mir gedacht, es wäre cool, selber mal mit so einem Schiff zu fahren, und so wurde mein Traumberuf geboren.

Was lieben Sie an Ihrem Job?
Das Schöne ist, dass es immer neue Herausforderungen gibt. Ich bin jeden Tag in der freien Natur und habe mit Menschen aus der ganzen Welt zu tun.

War es schwer, in eine Männerdomäne einzudringen?
Ich habe zwei Zwillingsbrüder und habe früh gelernt, mich durchzusetzen. Trotzdem war es am Anfang schwierig, sich als Frau in einer Männerwelt zu behaupten. Früher gab es schon öfter dumme Sprüche, aber ich habe gelernt, das wegzustecken. Jetzt, wo ich eine gewisse Position erreicht habe, ist das kein Problem mehr.

Wie viel technisches Verständnis braucht es in dem Job?
Viel, aber das lernt man alles in der Ausbildung. Die Steuerung erfolgt mit einem Joystick, unsere Schiffe haben einen Jet-Antrieb, ein normales Steuerrad gibt es als Notruder.

Welche beruflichen Ziele haben Sie noch? Die hohe See?
Ich bin jetzt Zweiter Kapitän und möchte auf jeden Fall Erster Kapitän werden. Die Hochsee interessiert mich nicht. Mit meiner Ausbildung kann ich nur auf der Donau und auf österreichischen Seen und Flüssen fahren. Ich finde das sehr spannend. Es gibt keinen Autopiloten wie auf einem Hochseeschiff, man muss alles selber navigieren können, die Wasserstände beachten, den Wind und die anderen Schiffe. Außerdem bin ich froh, wenn ich jeden Abend wieder zu Hause bin.

Stefanie Oberlechner, 24, wurde in Hall in Tirol geboren. Mit 15 begann sie bei der DDSG eine Lehre zum Binnenschiffer. Von der Matrosin arbeitete sie sich zur Kapitänin hinauf. Seit drei Jahren steuert sie den „Twin City Liner“ und ist auf der Strecke Wien–Bratislava unterwegs. In ihrer Freizeit tauscht sie als Motorradfahrerin die Wasser- gegen die normale Straße.

Erschienen in „Welt der Frau“ Ausgabe 7_8/14 – von Julia Langeneder