11

17

Aktuelle
Ausgabe:
Zum Shop
Liebe braucht  ein gutes Fundament
Franz-Joseph Huainigg hat das Herz von Judit Marte vom Rollstuhl aus und mit viel Humor erobert. Ganz gegen alle Wahrscheinlichkeit.

Anfangs habe ich gesagt, das will ich nicht. Ich will nicht einen behinderten Mann“, erzählt Judit. Damals, sie war Anfang zwanzig, wollte sie einen Mann, mit dem sie vieles teilen konnte. Etwa ihre Leidenschaft fürs Bergsteigen. „Ich wusste, eine solche Beziehung heißt, dass die Behinderung auch Teil meines Lebens wird.“ Anfangs hatte Franz-Joseph starke Konkurrenz. Als er um die Gunst von Judit zu werben begann, gab es einen beruflich erfolgreichen, sportlichen Vorarlberger, der sich ebenfalls Chancen bei der quirligen, lebenslustigen Studentin aus dem Ländle ausrechnete. Dann sei sie, erinnert sich Judit, vor der Frage gestanden: Der da oder der da? Und alle haben ihr wohl zum gängigeren Ehemann geraten. „Aber ich war innerlich ganz bei Franz-Joseph. Ich habe mich bei ihm stärker angenommen gefühlt, nicht so unter Stress.“ Dennoch war es bis zum „Ja“ ein mühsamer Weg. Er führte über die schonungslose Offenheit. „Ich habe ihn sehr geliebt, aber eben das Wesen, der Körper war ein Problem.“ Wenn sie sah, wie mühsam es für ihn war, sich mit Rollstuhl und Auto zu behelfen, tat er ihr „wahnsinnig leid“. Dann war da noch sein Rücken, „so furchtbar krumm“. Ständig schwankte sie zwischen dem Gefühl, diese starke Persönlichkeit sehr zu mögen, und den Einwänden des Verstandes, welches Leben sie mit einem derart eingeschränkten Partner erwarten würde.

Franz-Joseph schrieb ihr indes wunderschöne Liebesbriefe und ermunterte die sehnsuchtsvoll Erhoffte, alles auszusprechen, was sie zweifeln und verzweifeln ließ. Und sie sagte auch den Satz, den er schon von anderen Frauen gehört hatte: „Können wir es nicht bei der Freundschaft belassen, muss es denn Liebe sein?“ Ja, es musste. Denn für Franz-Joseph war Judit die perfekte Frau. Irgendwann willigte sie ein, es zu versuchen. Franz-Joseph hatte sie beruhigt. Wenn es nicht klappen sollte, dann müsse sie sich kein schlechtes Gewissen machen, er würde das aushalten.

Ihre Zweifel zu Beginn der Beziehung scheinen Judit heute geradezu absurd. Sie erlebt ihre Ehe mit Franz-Joseph als „eine sehr tiefe Freundschaft mit unglaublich viel Geborgenheit, Unterstützung, Rückhalt, Angenommensein, so wie man ist. Mein Mann ist ein unglaublich interessanter, humorvoller, spritziger Mensch und hat immer neue Ideen. Langweilig wird es einem nie.“ Diese Liebe, so die Erfahrung beider, hält viel aus. Mehr, als man sich im Vorhinein vorzustellen vermag. Das liegt auch an der Verankerung im christlichen Glauben, die beiden wichtig ist, an der Gemeinschaft der Caritas-Gemeinde, der sie sich zugehörig fühlen. „Wir haben viel Zeit miteinander verbracht, viel erlebt und miteinander aufgebaut, die Familie gegründet. Das ist eine starke Basis. Bisher haben die Schwierigkeiten eher zu einer Verstärkung der Liebe und der Beziehung geführt“, meint Franz-Joseph. Und Judit hat genug Humor, zu sehen, dass sie beide sich nicht wie andere an Alltagsproblemen zerreiben: „Wie oft streiten Paare, wer jetzt den Müll runterträgt, wer die Glühbirne wechselt oder die Bücher verräumt – diese Themen kommen bei uns nie vor!“

 

Gekürzt entnommen aus: „Von Traumpaaren und Paarträumen“ Traumpaare
15 Porträts von Paaren, erzählt
von Christine Haiden, fotografiert von Petra Rainer.

 

 

Erschienen in „Welt der Frau“-Ausgabe 10/14 – von Christine Haiden