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Liebe ich dich, du alter Socken?

Marie Kondo ist schonungslos. Ehrlich und zupackend, selbstreflektierend und die Gegenstände, die sie selbst umgebend, liebend. Sie erzählt in diesem Bestseller von ihrer Vorliebe für Ordnung, die sie seit ihrer Kindheit pflegt. Da lebt ein kleines Mädchen mit seiner Familie in einem Haus und liest Wohnzeitschriften aus der Bibliothek. Es geht noch weiter, es räumt ständig nach der Schule auf und empfindet so richtig Freude dabei. Aber diese Arbeit erweist sich als sinnlos: Ist heute das Badezimmer aufgeräumt, sind alle Tuben Wgut verwahrt, herrscht morgen, wenn nicht bereits heute Abend erneut Chaos im Feuchtraum.

Die Erkenntnis ist banal wie bahnbrechend: Es geht nicht ums Ordnen des Besitzes, sondern um dessen Bedeutung. Liebst du dieses Buch oder hast du es nur, weil du es noch nicht gelesen hast? Seit zwei Jahren nach seinem Erwerb noch immer nicht gelesen hast? Ach so, zu schade, um es wegzugeben? Aber warum, du nutzt, liest es ja doch nicht!

Ich kenne eine sehr engagierte Journalistin, die mir dieses Buch übrigens geborgt hat. Die hat schonungslos ausgemistet, ihr Herz befragt, ob ihr die Dinge sozusagen am Herzen liegen und sobald die Antwort ein „Nein“ war, sind die Sachen weggekommen: zu Flohmärkten, an gute Freundinnen, die sie wirklich brauchen können. Diese Journalistin hat nach Lektüre des Kondo-Buches nicht nur ihren Bücherschrank ausgeräumt, sondern gleich auch noch ihren Wäschekasten und weil sie schon dabei war, ihre beruflichen Projekte. Der geht’s übrigens super. Die Lektüre des Buches halte ich übrigens nur 10 Minuten durch, dann kommt ein weiteres Buch aus meinem Regal zur nächsten Büchertankstelle und ein noch nie getragenes T-Shirt, das auch nie von mir getragen werden wird, wird von mir zur Caritas getragen. Neues wird auch keines gekauft, falls Sie gerade dabei sind, mich misszuverstehen.

Also raffen Sie sich auf und geben Sie jedem Gegenstand einen Wohnort. Das ist eine unverzichtbare Voraussetzung für erfolgreiches Aufräumen, Verstauen und Ordnungshalten. Wenn wir uns die Mühe nicht einmal machen, laufen wir Gefahr, auf die gängigen Nullachtfünfzehn-Aufräumetechniken zurückzugreifen, die dann zu wenig erquicklichen Ergebnissen führen.

Ein Buchtipp, der einerseits ein Lesegenuss ist, andererseits echte Veränderung ins Dasein bringt, ins eigene wohlgemerkt. Denn das Buch ist bar jeder Missionierung, spricht seine Leserin, seinen Leser an und stellt klar, dass man doch erst mal selber das eigene Leben – nichts anderes sind all die Dinge rund um uns herum – in Ordnung zu bringen hat. Ich weiß jetzt wieder, was ich wirklich wirklich will, fotografieren nämlich und das mit einer sehr reduzierten Kamera.

 

Marie Kondo:

Magic Cleaning.

Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert.

Reinbek:

Rowohlt 2014.

Christina Repolust

wurde 1958 in Lienz/Osttirol geboren. Sie schloss das Studium der Germanistik und Publizistik in Salzburg ab. Seit 1992 ist sie Leiterin des Referats für Bibliotheken und Leseförderung der Erzdiözese Salzburg und unterrichtet nebenbei Deutsch als Fremdsprache. Zudem leitet sie Literaturkreise und Schreibwerkstätten für Groß und Klein. Ihre Leidenschaft zu Büchern drückt die promovierte Germanistin so aus: „Ich habe mir lesend die Welt erobert, ich habe dabei verstanden, dass nicht immer alles so bleiben muss wie es ist. So habe ich in Romanen vom großen Scheitern gelesen, von großen, mittleren und kleinen Lieben und so meine Liebe zu Außenseitern und Schelmen entwickelt.“

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