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Magdalena in Lesotho: Außenseiterin mit Privilegien

Schon oft hat die Farbe der Haut das Leben vieler Menschen nachhaltig beeinflusst. Zum ersten Mal in meinem Leben bin ich in dieser Hinsicht ein Außenseiter mit Privilegien. Alle behandeln mich, als wäre ich etwas Besseres, exotisch und höher gestellt. Egal, wohin ich gehe, alle wollen mit mir befreundet sein, sich mit mir unterhalten und vor allem: mit mir gesehen werden. Oft komme ich mir vor wie ein Statussymbol und finde mich in Situationen wieder, die mir unangenehm sind. Beispielsweise wird die Benutzung eines Plumpsklos zum Drama, da es nicht gut genug ausgestattet ist, statt Plastiktellern werden für mich Porzellanteller geholt, beim Einkaufen wird darauf bestanden, meine Taschen zu tragen und eine Frau bot sogar an, mir meine Wäsche zu waschen. Sollte ich einmal Lust auf einen ruhigen Spaziergang haben, ist dies ein unmögliches Unterfangen.

Magdalena_junge_Frauen

Magdalena und einige junge Frauen in ihrer Mission.

Ohne recht zu wissen, wie uns geschah, stand ich eines Nachmittags mit meiner Mitvolontärin im Wohnzimmer einer Arbeitskollegin und wurde
von der Frau des Hauses mit Snacks und Getränken versorgt und bekocht. Zum Abschluss wurde uns gedankt, dass wir uns selbst eingeladen hatten.

Darüber hinaus gibt es etwas, das sich viel amüsanter anhört, als es tatsächlich ist, nämlich die Tatsache, dass mir aus vorbeifahrenden Autobussen Liebesbotschaften zugerufen werden. Manchmal bekomme ich auch Heiratsanträge über zwei Ecken. Bereits mehrere Mütter wollten mich mit ihren, mir unbekannten Söhnen verheiraten und rufen mich nicht beim Namen, sondern als zukünftige Schwiegertochter.

Auch bei den Kleineren ist es oft schwer, ihnen klar zu machen, dass die weiße Haut nicht bedeutet, dass man besser, schöner oder reicher ist.

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