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Mann Oh Mann!

Ich sag’s ohne Umschweife: kein Glück gefunden auf Mauritius, nicht einmal den Schlüssel. Was mir bewusst macht, dass Sonne, Strand und Meer doch nicht ganz ausreichen, um illuminiert und tiefenentspannt den Verwerfungen des Lebens begegnen zu können. Jenen beispielsweise, denen man ausgesetzt ist, wenn man als Frau alleine reist.

Einerseits gibt einem das zwar die Möglichkeit, aus eher unauffälliger, maximal mitleidig belächelter Position die Urlaubsidylle anderer Menschen zu beobachten – wie wenig Paare miteinander reden, wie früh manche an der Poolbar landen, solche Sachen. Schon als ich noch in meiner Beziehung lebte, wunderte ich mich, wie sich zwei Menschen so sprachlos gegenüber sitzen können, während die Exotik wie hier auf Mauritius so greifbar ist wie die nächste Kokospalme.

Andererseits reist man als Frau – und ich rede nicht von solchen, die ihre Abenteuer in fremden Ländern erleben müssen, weil das tägliche Einerlei so einerlei ist -, um fremde Kulturen, Sitten und Menschen in ihrem Wesen kennenzulernen. Das macht notwendig, dass man sich interessiert, was wiederum dazu führt, dass man mit Menschen redet. Und auch wenn ich bislang viel über die Türkei, Ägypten und Mauritius erfahren habe, enden diese Gespräche doch meist bei „You good woman, you good body, I love you“, wahlweise „I don’t need your room-number for the bill, sexy, just your phonenumber and your Facebook-Acount.“

Nur so nebenbei: Ich bin 48. Wäre ich halb so alt, könnte ich es noch verstehen. Doch für jemanden, der am halben Jahrhundert kratzt, ist „sexy“ eine Kategorie, die mir zwar ein Lächeln aufs Gesicht zaubert, aber nur in Kombination mit einem stirnrunzelndem Kopfschütteln. Vom richtigen Mann – gerne und jederzeit. Was mich zur Frage bringt: Wie halte ich es künftig mit Männern? Bislang ist es mir nicht gelungen, mit dem vollen Umfang meiner Persönlichkeit das Assessment Center der Beziehungswelt zu bestehen – obwohl 18 Jahre nicht schlecht sind und sehr für die Duldsamkeit meines Ex-Partners sprechen. Und doch bleibt die Sehnsucht, in allen Facetten wahrgenommen zu werden. Ist das zu viel verlangt? Ich habe zwei Möglichkeiten, wie mir scheint. Die eine ist, so lange zu suchen, bis sich jemand als Hieroglyphenleser entpuppt, der anhand meiner Kopfbewegung weiß, in welche Richtung er mich zu interpretieren hat. Die andere wäre, mich mit dem zufrieden zu geben, was mir in bits and pieces geschenkt wird. An die Suche nach dem Richtigen glaube ich nicht, vor allem auch, weil sich das in meinem Leben als Disaster herausgestellt hat. Das Findenlassen auch, aber das ist ein anderes Thema. Also wird es wohl zweiteres werden: das Genießen von wertvollen Momenten, die Rarität von Selbstverständlichkeit und Vertrautheit, das Glück einer Liebe ohne Alltag. Viele in meinem Alter haben nicht einmal das – und müssen an die Poolbar. An mir verdienen sie dort wenig. Sexy hin oder her.

PS: Glück habe ich hier in Kapstadt gefunden, und zwar beim Besuch eines Township. Hier formen die Frauen aus Karton Schmuckperlen und aus Teebeuteln Ohrringe, flechten die kunstvollsten Frisuren in einem Container, lachen und singen. Glück ist, wenn man die äußeren Umstände vergisst, die Hoffnung behält und sich auf das konzentriert, was wirklich zählt. Ich konzentriere mich auf die Liebe in allen Facetten und freue mich über jede Umarmung – eines Kindes im Blechhüttendorf, einer „Mama Afrika“ auf dem Green Market Square oder einem Künstler aus Malawi, der mich auffordert vor meiner Abreise unbedingt noch „Good-bye“ zu sagen. Ich werde hingehen.

 

Kommentare

One thought on “Mann Oh Mann!”

  1. Da haben Sie aber den Nagel auf dem Kopf getroffen, Frau Dabringer!
    Wenn Sie nämlich schreiben „Vom richtigen Mann – jederzeit und gerne.“
    Sehen Sie, wir Männer glauben – oder hoffen zumindest, wenn wir ein bisserl bescheiden sind – dass wir der Richtige sind, wenn wir eine Frau anreden (auch wenn ich niemals eine wildfremde Frau mit „sexy“ anreden würde).
    Nehmen Sie mich als Beispiel.
    Weltbürger: obwohl Österreicher, hab ich mich hinaus gewagt und lebe in einer amerikanischen Großstadt.
    Gutherziger Ritter: dort bin ich der Datenguru einer der größten Obdachlosenbetreuungsorganisationen in den USA. VinziDach in Salzburg? Die Planung ist von mir.
    Macht: ich saß in Komitees der Stadt und des Gouverneurs von Massachusetts um die Obdachlosenpolitik umzukrempeln. Die kommen noch immer zu mir wenn’s Fragen gibt.
    Privat: als Schamane helfe ich Menschen, als Druide umarme ich Bäume. Als Künstler habe ich bis jetzt zwei Bücher veröffentlicht und meine Bilder in über 50 Ausstellungen gezeigt, Preise gewonnen.

    Wer, wenn nicht ich, ist der Richtige?

    So denken wir Männer über uns selber. Dann geben wir einen mehr oder weniger saublöden Spruch von unsu und hoffen dass die Frau Interesse zeigt. Damit wir zeigen können, dass wir der Richtige sind.

    Ich selbst kann mich aus diesem Geschäft ja zurückziehen. Brauch’s nimmer.
    Aber wenn das alle Männer tun würden? Überbevölkerung wäre wohl kein Problem mehr 🙂

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