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Ob in Pastelltönen oder mit Signalwirkung, jede Farbe hat ihren eigenen Charakter und kann einem Raum seinen individuellen Stil verleihen. Das Zuhause ist der ideale Ort, es auszuprobieren.

Wenn es dir nicht gut geht, dann lauf hinaus in den Garten oder in den Wald und du wirst dich bald wieder besser fühlen.“ Luzia Abraham-Luger erinnert sich noch sehr genau an diesen Ausspruch ihrer Großeltern. „Grün bedeutet Wachstum und Energie, je mehr Gelbanteile die Farbe enthält, desto wärmer wird der Ton.“ Die Lebensraumberaterin empfiehlt jedoch niemandem, alle vier Wände eines Raumes in leuchtendem Grün zu streichen. Mit kleinen Akzenten und verschiedenen Dekorstücken lässt sich herausfinden, ob diese Farbe den eigenen Vorstellungen entspricht. „Eine grüne Vase, ein Überwurf auf dem Sofa, ein farbiges Möbelstück als Farbtupfer kann der erste Schritt sein.“ Um sich dann für eine Wand oder eine Nische in einem stimmigen Grünton zu entscheiden.

Beim Gestalten mit Farben sollte man seinem Gefühl trauen und keine Scheu vor dem Ausprobieren haben – zum Beispiel, wie abgebildet – den Zementboden färben.

Farben haben einen wesentlichen Anteil am Wohlgefühl in einem Raum. Den ersten Eindruck vermittelt der Vorraum. „Für einen dunklen Gang ist die Farbe Gelb nie verkehrt“, sagt Abraham-Luger. Da Farbe gleich beim Betreten eines Raumes wahrgenommen wird, bietet sich jene Wand für einen farbigen Anstrich an, auf die der erste Blick fällt.

BLICKFÄNGE SCHAFFEN
Aus Erfahrung weiß Luzia Abraham- Luger, dass „auch ein zartes Gelb in Kombination mit Weiß zu strahlen beginnt“. Grundsätzlich rät sie ihren KundInnen, sich zu fragen, mit welchen Farben sie gerne leben möchten. Farben können inspirierend, motivierend, anregend oder beruhigend wirken. Doch Farbe verwenden heißt nicht, bunt zu leben. Am besten ist es, in sich hineinzuspüren, welche Farbe zurzeit gut tut. Dezent oder lebendig?

„Setzen Sie sich auf Ihren Lieblingsplatz in einem Raum. Wo fällt Ihr Blick zuerst hin?“, so die Lebensraumberaterin. „Empfinden Sie den Raum harmonisch? Gibt es eine Stimmigkeit von Möbel und Farben?“ Sogenannte Blickfänge in einem Raum zu schaffen, beruhigt das Auge. „Schöne Gegenstände sollten nicht durcheinander aufgestellt, sondern geordnet sein.“ Weniger ist manchmal mehr.

In einem Raum genügen, abgesehen von Weiß, zwei Farben. Die Grundfarben für Wohnung oder Haus müssen jedoch nicht identisch sein mit den Lieblingsfarben im Kleiderschrank. Statt modischer Trends – „diese sollen Teppiche, Vorhänge oder Kissen in den Raum bringen“ – geht es bei der Wahl der Wandfarbe um eine gewisse Langlebigkeit. Doch die Auffassung von früher, dass „die Einrichtung, die Tapeten und die Farbe der Wände ein Leben lang gefallen müssen“, sieht Luzia Abraham-Luger als überholt an. Das klassische, kühle Blau im Badezimmer oder im Schlafzimmer wurde längst von warmen Farben wie Gelb, Orange und Terrakotta abgelöst. Und sollte das Rot an der Wand dann doch zu kräftig ausgefallen sein, lässt sich das auch leicht wieder verändern.

KEINE ANGST VOR FARBCHAOS
„Ich brauche eine Veränderung“ oder „Ich kann es erst beurteilen, wenn ich es gesehen habe“, das sind die häufigsten Statements, mit denen Ursula Füsselberger konfrontiert wird. Natürlich ist Gestalten mit Farben mit einem gewissen Risiko verbunden. Gut ist es aber, „selbstsicher seinem Gefühl zu trauen und keine Scheu vor dem Ausprobieren zu haben.“ Für das Zusammenspiel von Licht, Farben, Mustern und Formen möchte die Farbdesignerin Mut vermitteln.

Beim ersten Kundengespräch lässt sie sich durch die ganze Wohnung führen. „Manchmal beginne ich bereits nach den ersten zehn Minuten mit dem Umstellen und Tauschen von Möbelstücken.“ Anstatt teure Vorhänge oder neue Pölster zu kaufen, will sie zu neuen Kombinationen mit dem bereits Vorhandenen anregen. Für die BewohnerInnen entsteht sofort ein anderer Eindruck der Räume und für die Fachfrau die besseren Voraussetzungen für die Wahl der Farben. „Farbe macht alte Möbel lebendiger und unterstreicht die Ordnung eines Raumes.“

Gebrochene Weißtöne und leichte Grautöne an den Wänden lassen einen Raum heller erscheinen. Für Ursula Füsselberger bieten die so genannten unbunten Farben Grau, Weiß und Schwarz gute Kombinationsmöglichkeiten. Ihre Schattierungen sorgen für schöne Kontraste. „Dezente Farben müssen nicht langweilig sein, sondern bringen eine farbige Dekorwand zum Strahlen.“ Kleine Räume vertragen maximal eine Dekorwand. „Sehr effektvoll kann ein Möbelstück wirken, wenn sein Hintergrund aus einem Farbstreifen aus Farbe oder aus einer Tapete an einer sonst weißen Wand besteht.“

 

Farbexpertin Ursula Füsselberger

Farbexpertin Luzia Abraham-Luger

WAS IST MIT DEM PLAFOND?
Die Decke eines Raumes sollte weiß sein, da sind sich die beiden Expertinnen einig. „Eine dunkle Farbe am Plafond zieht optisch die Decke herunter“, bemerkt Ursula Füsselberger, „und lässt den Raum niedriger erscheinen.“ Ein angenehmer Effekt für eine Altbauwohnung, in der meist Bad und Toilette in sehr hohen, aber kleinen Räumen eingerichtet sind.

„Wenn die Farbe des Plafonds als ein helles, fünf Zentimeter breites Band auf alle Wände ,überläuft‘, rundet dies optisch den Raum perfekt ab.“

 

Ein kleines Farbenlexikon

Ein neuer Wandanstrich verändert Aussehen und Wohnatmosphäre eines Raumes.

GELB lässt kleine Räume größer erscheinen. Es wirkt anregend und lebendig, auch auf den Geist und alle geistigen Tätigkeiten. Gelb fördert die Konzentration, den Lerneifer und das Gedächtnis.

ORANGE stimuliert die Lebenslust und Lebensfreude, strahlt Wärme und Gemütlichkeit aus und ist eine freundliche, „soziale“ Farbe.

ROT ist Energie pur und regt Geist und Seele an, fördert körperliche Arbeit und Bewegung. Bei der Raumgestaltung kann Rot aktivierende Impulse setzen. Zu viel im Raum macht bei längerem Aufenthalt unruhig, gereizt und beengt. Rot wirkt wie Orange appetitanregend.

BLAU steht für Ruhe, Ausgeglichenheit, Treue und Harmonie. Bei der Raumgestaltung kommen diese zur Geltung. Oder in Räumen, die der Entspannung dienen. Blau wirkt auch kühl und sauber. In kleinen, engen Räumen dient es zur optischen Vergrößerung.

PURPUR UND VIOLETT wirken feierlich und eignen sich für Empfangsräume. Violett wirkt beruhigend und soll den Appetit und die Lust zügeln.

ROSA besänftigt und macht empfänglich für die Stimmungen anderer Menschen.

GRÜN beruhigt und sorgt für Ausgleich, Sicherheit und Geborgenheit. Es versetzt die Seelen in positive Schwingungen, weckt die Lust auf Neues. Grün gilt als Quell der Kreativität. In einem Raum wirkt es vitalisierend und hat einen regenerierenden Einfluss auf den Organismus. Es eignet sich hervorragend für die Gestaltung von Wohn- und Arbeitsbereichen. Frisches, helles Grün – Farbe oder Pflanze – sollte nie zu kurz kommen.

BRAUN wirkt rustikal und strahlt Gemütlichkeit aus.

OCKER, SIENA, UMBRA wirken beruhigend und passen in jeden Raum.

 

Buchtipp: Stafford Cliff/Gilles de Chabaneix: Wie wir mit Farben wohnen.
Christian Brandstätter Verlag, 256 Seiten, Euro 15,00