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Mein Leben. Eine Kurzfassung
„Welt der Frau“-Leserin Magdalena Holztrattner (41) ist Leiterin der Katholischen Sozialakademie Österreich.

Mit 18 habe ich überlegt, die Musik zu meinem Beruf zu machen. Aber ich bin, ehrlich gesagt, zu faul zum Üben, und ich wollte keinen Job, bei dem ich spitze Ellbogen brauche, um mich durchzusetzen. Dass ich Theologie studiert habe, ist eine „Erbkrankheit“. Mein Vater war einer der ersten Laientheologen, meine Mutter in der Pfarre sehr engagiert. Mir war klar, dass ich als Theologin in ein System gehe, in dem ich als Frau benachteiligt bin. Die feministischen und lateinamerikanischen Theologien haben mich sehr bestärkt, meine innere Freiheit zu wahren und mich in kein Schema pressen zu lassen. Darauf kommt es mir bis heute sehr an. Ich habe nicht nur meinen Beruf, ich achte auch auf meine Freizeit und meine Freundschaften. Ich mag es, das Leben mit anderen zu teilen. Inzwischen habe ich in so vielen Ländern der Welt FreundInnen, dass ich praktisch immer ohne Hotelbuchung reisen kann. Dafür ist auch meine Wohnung in Wien eine ganz unkomplizierte Herberge für Gäste. Mit 20 Jahren war ich ein Jahr in Bolivien in einer Pfarre und in einer Schule im Einsatz. Das hat mich sehr geprägt. Auch dort kann Kirche in das Leben der Menschen heute integriert sein. Bei den Aymara, die Mann und Frau immer zusammen denken, habe ich etwa erlebt, dass ein Bischof nicht nur den Mann, sondern auch die Ehefrau für das Diakonat geweiht hat. Innere Freiheit braucht man bei Gegenwind. In meiner Familie gibt es dafür starke Vorbilder. Meine Oma hat beim Anschluss Österreichs an Deutschland mit „Nein“ gestimmt, eine Urgroßmutter hat Zwangsarbeitern in Kaprun verbotenerweise zu essen gegeben, ein Großonkel war in Dachau, weil er im Tennengau für Witwen von SozialistInnen Geld gesammelt hat. „Was will Gott von mir und was will ich von Gott?“ Dieser Frage gehe ich mit meiner geistlichen Begleiterin immer wieder nach. Mein Leben ist bisher sehr gelungen, auch wenn noch etwas Wichtiges offen ist: eine stabile Beziehung. 


Magdalena Holztrattner (41)

07_FrauHolztrattner12 WEBSo bin ich:
Aufrecht und feinfühlig, lachend und liebend.

So wäre ich gerne:
Durch meine gerade Art verletze ich manchmal unabsichtlich, vieles möchte ich gerne anders sagen können.

Was soll von mir bleiben:
Dass sich viele Menschen gerne an mich erinnern – und dass ich mit meinem Einsatz in der Welt etwas zum Besseren verändert habe.


 

Erschienen in „Welt der Frau“ 05/17 – von Christine Haiden