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Mein Sport, mein Leben

Konzentration, Eleganz, Fitness oder Geschicklichkeit: Warum entscheiden Frauen sich für eine bestimmte Sportart? Fünf Perfektionistinnen berichten.

„Im Wasser fühlen wir uns frei.“

Wie drei Fische im Wasser
Synchronschwimmen
Die Drillinge Anna-Maria, ­Eirini-Marina und Vasiliki ­Alexandri (19) träumen von einer Olympia­medaille im Synchron­schwimmen.

 

Wir wurden in Griechenland geboren und sind dort auch aufgewachsen. Mit dreieinhalb Jahren lernten wir schwimmen. Mit fünf starteten wir das Synchronschwimmen. Warum? Weil uns die Badeanzüge so gefallen haben. In Griechenland war es schwierig, das Schwimmen und die Ausbildung unter einen Hut zu bekommen. Wir mussten uns entscheiden: Schule oder Sport? In Österreich kann man beides gut miteinander vereinen. Das war der Grund, warum wir mit 14 Jahren allein, ohne unsere Eltern, hierherkamen. Wir trainieren sechsmal in der Woche, sechs Stunden täglich. Im Wasser fühlen wir uns frei. Wir drücken alle unsere Gefühle aus. Das fühlt sich so gut an! Die Musik spielt beim Synchronschwimmen eine wichtige Rolle. Sie muss uns gefallen, damit wir sie besser ausdrücken und tanzen können. Dass wir Schwestern sind, ist ein Vorteil. Wir kennen uns gut, jede kennt die Schwächen der anderen, und somit können wir uns helfen. Es ist wichtig, dass man als Partnerinnen dasselbe fühlt und wahrnimmt. Um synchron zu bleiben, muss man den Rhythmus der Musik zählen. Wir bleiben auch in Blickkontakt. Das hilft. Synchronschwimmen erfordert eiserne Disziplin.

Foto: Gergely Stefan/News/picturedesk.com

„Wenn ich spiele, fühle ich meinen Stolz und Spaß.“

Zwischen Schornstein und Fußball
Die Wienerin Verena Rohrer
Die Wienerin Verena Rohrer (33) ist als zehnfache Weltmeisterin die beste Tischfuß­ballerin auf Erden.

 

Tischfußball erfordert eine sehr gute Augen-Hand-Koordination und Intelligenz. Ohne mentale Stärke verliert man in 90 Prozent der Fälle. Genau das ist es, was mich fasziniert. Das Spiel ist eine Mischung aus Tischtennis, Schach und Fußball; gearbeitet wird mit Augen, Händen und Kopf. Schnelles Handeln, Teamarbeit und taktische Spielzüge sind gefragt. Ich muss den Gegner, die Gegnerin innerhalb von zwei bis drei Ballwechseln analysiert haben. Was sind die Schwächen, wie schnell ist die Reaktion, wie ist der Rhythmus und wie weit sind die Schüsse? Die mentale Einstellung muss genauso stark sein wie die Ausdauer. Immerhin dauert ein Spiel mindestens vier und maximal 13 Stunden. Wenn ich spiele, fühle ich meinen Stolz und Spaß. Die Eigenschaften des Sports benötige ich auch in meinem Beruf. Ich bin Rauchfangkehrerin, auch hier muss ich mit Händen und Augen geschickt koordinieren und mit viel Fingerspitzengefühl arbeiten. Deshalb hatte ich von Anfang an ein Talent für Tischfußball. Als Perfektionistin habe ich meine Schüsse und Pässe sehr präzise und genau trainiert. Außerdem fällt es mir sehr leicht, andere Menschen zu lesen und ihre Schritte voraussehen zu können. Diese Stärke macht mich unschlagbar.

Foto: Philipp Forstner

„Ich überwinde meine Angst und sprenge meine Grenzen.“

Die Suche nach Hindernissen
Die Suche nach Hindernissen
Pamela Forster (30) ist Österreichs erste Freerunnerin, die von ihrer Sportart leben kann.

 

Eigentlich habe ich sehr großen Respekt vor Höhen und neuen Herausforderungen. Vielleicht finde ich genau deshalb diesen Sport so spannend. Ich habe mit Kunstturnen angefangen. Während meines Studiums der Sportwissenschaften habe ich dann Freerunning kennengelernt. Ich war sofort begeistert. Wenn ich heute durch meine Heimatstadt Wien gehe, suche ich immer nach neuen, herausfordernden sogenannten Parcours-Runs. Die Stadt ist quasi zu meinem Spielplatz geworden. Ich halte ständig Ausschau nach Hindernissen, die ich mit Sprüngen oder Salti bezwinge. Dabei überwinde ich meine Angst und sprenge meine Grenzen. In Turnhallen kann ich Hindernisse verschieben, in der Stadt sind sie mir aber vorgegeben. Eine Wand lässt sich nicht einfach bewegen, ich muss mich der Umgebung anpassen. Es ist ein schönes Gefühl, wenn ich etwas schaffe, was ich mir vorher nicht zugetraut habe. Wenn man so oft damit beschäftigt ist, über seine Grenzen zu gehen, dann wirkt sich das auch auf das restliche Leben aus. Seit ich den Sport mache, blicke ich immer öfter über den Tellerrand. Ich denke, dass es Grenzen aus unterschiedlichen Gründen gibt. Vielleicht sind sie dazu da, um Menschen zurechtzuweisen und ihnen eine Richtung vorzugeben, von der geglaubt wird, dass sie ideal sei. Aber manchmal ist die vorgegebene Richtung nicht die beste für einen selbst. Meine Eltern haben mir empfohlen, nach meiner Ausbildung einen guten und sicheren Job zu suchen. Das habe ich auch gemacht. Bevor ich hauptberuflich Freerunnerin wurde, habe ich beim Marketing des Fußballvereins Rapid gearbeitet. Irgendwann, als ich immer mehr Anfragen zum Beispiel als Stuntfrau oder Werbemodel bekam, habe ich dann auch beruflich den Sprung gewagt und meinen sicheren 40-Stunden-Job gekündigt. Jetzt habe ich mehr Zeit für mein Hobby. Der Sport ist absolut zu meinem Lebensstil geworden.

Foto: Chris Wisser

Weitere Porträts finden Sie in der Printausgabe.
Erschienen in „Welt der Frau“ 0708/17

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