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Machen Frauen erfolgreich?
Folgt man aktuellen Untersuchungen bleiben Unternehmen weit unter ihren möglichen Erfolgen, weil sie in ihrer Führungsebene nach wie vor kaum Frauen integrieren. Krawatte oder Perlenkette? Am besten beides.

Die Unternehmensberatung McKinsey steht nicht im Verdacht, aus ideologischen Gründen den Frauenversteher zu geben. Bei den amerikanisch geprägten Prüfern geht es um Zahlen, um Effizienz, um Umsatz und Rendite. Umso bemerkenswerter, dass die auf Erfolg gepolten Berater in bereits vier aufeinander folgenden Studien darlegen, dass Frauen Unternehmen erfolgreicher machen. Die unter dem Titel „Woman Matter“ veröffentlichten Daten sind relativ eindeutig: Bei mehreren hundert untersuchten Unternehmen zeigen jene mit Frauen in allen Führungsebenen ein Plus von 41 Prozent bei der Kapitalrendite und ein Plus von 56 Prozent beim Gewinn vor Steuern. Warum ist das so? Die Analysten von McKinsey gehen davon aus, dass mit Frauen andere Führungsqualitäten ins Spiel der Kräfte kommen. Das Schlagwort heißt „Gender diversity“. Damit meint man, dass umso besser geführt wird, je inhomogener die Führungsriege ist. Die Unterschiedlichkeit wird dabei nicht nur im Geschlecht, sondern auch in der kulturellen Prägung, im Alter, in der sozialen Herkunft gesehen. Geschlecht spielt aber eine besonders große Rolle. Frauen wurden über Jahrhunderte auf andere Rollen und auf ein anderes Sozialverhalten hin geprägt als Männer. In einer der „Women Matter“ -Studien von McKinsey werden die eher Frauen und eher Männern zugeordneten Führungsqualitäten beschrieben.

Frauen konzentrieren sich eher stärker auf die Entwicklung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, sie kommunizieren stärker, was sie von ihrem Team erwarten und wie Verantwortung belohnt wird, sie geben ein glaubwürdiges Vorbild für ethische Ansprüche ab und pflegen eher eine partnerschaftliche Entscheidungsfindung. Die Stärken der Männer liegen eher im Außen. Sie treffen gerne starke Entscheidungen allein, nehmen ein höheres Risiko bei Zielen und sind Meister von Kontrolle und Überwachung. Alles zusammen, sagen die Berater, ergibt ein gutes Team. Eine Meinung, die Gertrud Höhler teilt. Die Unternehmensberaterin hat vor Jahren in ihrem Buch „Wölfin unter Wölfen“ das Modell des gemischten Teams entwickelt. Männer und Frauen würden sich, so ihr Credo, in ihrer Unterschiedlichkeit bestens ergänzen. Was er manchmal zu kühn ist, gleicht sie mit Umsicht aus, was er vereinfacht, versucht sie in der ganzen Komplexität zu sehen, was er als Sachfrage zuspitzt, hinterfragt sie auf Umsetzung und Auswirkungen auf die Belegschaft. Ein einfaches Modell, mag man einwenden, eines, das womöglich der Verschiedenheit der Menschen nicht gerecht wird, eines, das die alten Zuschreibungen, was Mann und Frau ausmacht, in Beton gießt. Ja, aber, möchte man sagen. Es ist zumindest ein Ansatz, der Handlungsmöglichkeiten eröffnet. Bei Geschlechterfragen verheddern wir uns schnell in Machtfragen. Frauen gegen Männer oder Männer gegen Frauen, wie es gerade beliebt. Das ist für die Lösung von Sachfragen nur begrenzt nützlich. Der pragmatische Zugang, den auch McKinsey in seinen Empfehlungen wählt, scheint mir da wesentlich interessanter.

Stimmt man, sagen die Berater, den Befunden zu und will man mehr Frauen um des Erfolges willen, in Führungspositionen bringen, muss man etwas dafür tun. Unabdingbar ist, dass die Unternehmensspitze die Frauen in der Führung haben will. Nur dort, wo Frauenförderung ein strategisches Unternehmensziel ist und dessen Umsetzung auch überwacht und notfalls sanktioniert wird, werden Erfolge erzielt. Man muss zudem anerkennen, dass wir, aus welchen Gründen auch immer, verschieden sind. Dass Frauen zum Beispiel sich selten selbst in den Vordergrund spielen und daher durch Mentoring und andere Förderprogramme trainiert werden müssen, sich zu zeigen und ihre Standpunkte zu vertreten. Wer mehr Frauen in die Führung will, kommt um das Thema Familie nicht herum. Menschen haben Kinder und nicht nur einen Job – bloß bei Frauen wird das deutlicher, weil sie zugunsten der Kinder im Zweifelsfall auch auf einen Spitzenjob verzichten. Mehr Frauen in Unternehmen verändert die Kultur. Verschiedenheit nützt, wenn sie nicht als lästiger Störfaktor gesehen wird. Insofern kann man darin auch eine Weiterentwicklung unserer Welt sehen. So man denn möchte.

 

Christine Haiden ist überzeugt, dass sich das Modell gemischter Teams langfristig durchsetzen wird.

 


Frauen in die Führung – was ändert sich?

  • Unternehmen, die mehr Frauen auf allen Ebenen in Führungspositionen bringen möchten, gehen strategischer vor als andere. Das belegen die Studien „Woman Matter“ der Unternehmensberatung McKinsey.
  • Vor allem werden bessere Bedingungen für flexible Arbeitszeitmodelle geschaffen, die Durchführung von Förderprogrammen wird von der Unternehmensspitze überwacht, und Maßnahmen, die Frauen zur Übernahme von Aufgaben ermutigen, werden verstärkt. Das führt mittelfristig zu einer Veränderung der Unternehmenskultur.
  • Flachere Hierarchien, mehr Kommunikation, Wertschätzung von Unterschieden sind die Folge. Und das nicht nur zum Nutzen von Frauen, sondern ökonomisch für den gesamten Betrieb.

 

Was ist Ihre Meinung dazu? Schreiben Sie uns!

meine meinung@welt-der-frau.at

 


Erschienen in „Welt der Frau“ 6/2012 – von Christine Haiden

Illustration: www.margit-krammer.at

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