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Mit Bankern zum Spielen in den Wald

Lord und Lady McIntosh genießen ihr Anwesen, das Herrenhaus und die Cottages, die sie langsam, sehr langsam, modernisieren lassen. Nur einer der Pfauen, genau der, der verrückt wurde, macht ihnen Sorgen: Er geht auf alles, was blau und glänzend ist, los. Das kann dann schon auch der Wagen einer der Cottage-Mieter sein: Das Ehepaar zeigt sich gerührt von den kleinen Hindernissen in seinem Urlaub und Lord McIntosh ist überzeugt, dass seine Versicherung die Lackschäden am Auto seiner Gäste übernehmen wird.

Dann kündigen sich neue, interessante Besucher, also Gäste an: Banker mit ihrer Trainerin – genauer gesagt, das Management der Investmentabteilung einer Londoner Privatbank. Dazwischen wurde der Pfau noch ein bisschen irrer und nahm einem Gastkind sogar dessen blaues Spielzeug weg, ganz zu schweigen von den Löchern und Rissen in der blauen Regentonne aus Plastik. So nimmt die Komödie ihren Lauf in den schottischen Highlands und der eine Irrtum führt zum anderen.

Aileen, der gute Geist der McIntoshs macht Überstunden, bringt das Haus für die betuchten Gäste auf Hochglanz und wäscht ihrerseits das gräfliche Tuch, die Samtvorhänge hatten die Reinigung wirklich nötig. Dann ist auch schon Donnerstag und das Unglück nimmt seinen rasanten Lauf: Die Chefin der Investmentabteilung fährt in ihrem neuen blaumetallicfarbenen Sportwagen vor und tritt beim Aussteigen als erstes in Gänsedreck, was wiederum ihren Irish Setter Mervyn so gar nicht beeindruckt. Jetzt wäre es geschmacklos, weiter zu erzählen: Die Bühne ist frei für Verwechslungen, kleine Lügen, große Lügen und kleinere Braten, für eine Köchin, die die Anwesenden dirigiert und dabei auch noch eine besondere Pfauenpastete herzustellen vermag. Jeder der Banker hat so sein Geheimnis, auch die weiblichen Mitarbeiterinnen sind nicht bereit, ihrer Trainerin alles, wirklich alles, anzuvertrauen. Gut, dass das Schloss so geräumig ist!

Die McIntoshs beeilten sich zu sagen, das Problem sei ja nicht der Einzelne, sondern das System. Die Chefin lächelte und sagte, das System bestehe ja aber aus Einzelnen, insofern müsse sie sich die Frage schon gefallen lassen, ob das alles so gut und richtig sei. Die Lady wechselte das Thema und erkundigte sich nach der Zubereitungsart dieses sensationellen Currys.

Nein, nicht einmal das Curry war anders als angekündigt und das Team-Building entwickelte sich ebenfalls recht selbstständig, um nicht zu sagen, verselbstständigte sich. Doch die Banker teilten sich die Doppelbetten und sanitären Anlagen, erzählte ich schon, dass die Duschen nicht so recht funktionierten?, redlich. Und am Ende lobt eine gute Freundin die wunderbare Pastete ihrer besten Freundin, einer Köchin.

 

Was Sie versäumen, wenn Sie das Buch nicht lesen: Humor, wunderbare Streifzüge durch die schottischen Highlands, gutes Essen – natürlich alles nur im Buch, aber dort so richtig gut beschrieben, Ränkespiele vom Feinsten und die auch noch in aller Unschuld gespielt, die Macht der Tiere über die dummen Menschen, der Klügste ist beinahe der Irish-Setter, der ja auch seinem Instinkt folgt. So beschrieben, beginne ich, Kälte und Schottland, für mich ein Synonym, zu mögen.

Die Autorin, Jahrgang 1968, hat in Heidelberg und Tokyo Anglistik und Japanologie studiert; jetzt lebt sie als Übersetzerin in Hamburg. Dass sie seit über 20 Jahre in ein abgelegenes Anwesen am Fuße der schottischen Highlands reist, merkt man der exakten Landschafts- und Naturschilderung beinahe an.

 

 

Isabel Bogdan:

Der Pfau. Roman.

Kiepenheuer & Witsch 2016.

 

 

 

Christina Repolust

wurde 1958 in Lienz/Osttirol geboren. Sie schloss das Studium der Germanistik und Publizistik in Salzburg ab. Seit 1992 ist sie Leiterin des Referats für Bibliotheken und Leseförderung der Erzdiözese Salzburg und unterrichtet nebenbei Deutsch als Fremdsprache. Zudem leitet sie Literaturkreise und Schreibwerkstätten für Groß und Klein. Ihre Leidenschaft zu Büchern drückt die promovierte Germanistin so aus: „Ich habe mir lesend die Welt erobert, ich habe dabei verstanden, dass nicht immer alles so bleiben muss wie es ist. So habe ich in Romanen vom großen Scheitern gelesen, von großen, mittleren und kleinen Lieben und so meine Liebe zu Außenseitern und Schelmen entwickelt.“

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