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Mit dem Truck kreuz und quer

Regina Lidlgruber (48) war 20 Jahre lang als Fernfahrerin in fast ganz Europa unterwegs. 

Wie kamen Sie aufs Fernfahren? In dieser Branche sind Frauen immer noch Exotinnen.
Regina Lidlgruber: Ich arbeitete ursprünglich in einem Lager. Als die Firma in Konkurs ging, musste ich mir einen neuen Job suchen. Ich hatte immer schon Fernweh, und so habe ich ins Transportgewerbe hineingeschnuppert. Als ich zum ersten Mal mit einem Lkw fuhr, wusste ich: Das wird mein neuer Job.

Sie machten den C/E-Führerschein. Bis Sie eine Arbeit fanden, war es ein langer Weg.
Damals war es komplett unüblich, dass eine Frau Lkw fährt. Ich bekam immer wieder zu hören, dass eine Frau in der Branche nichts verloren hat. Ich habe mich bei 120 Firmen vorgestellt. Oft bin ich belächelt worden, manchmal auch beschimpft, aber schließlich fand sich doch ein Dienstgeber.

Gerade für Frauen ist Fernfahren nicht ungefährlich. Gab es Übergriffe?
In den ersten Wochen wurde ich auf einem Parkplatz überfallen, als ich aufs Klo gehen wollte. Ich wurde zusammengeschlagen, konnte mich aber noch ins Lkw-Fahrerhaus flüchten, dort habe ich mich eingesperrt. Der Schrecken hing mir lange nach. Acht Jahre später wurde ich von der Russenmafia mit einem K.-o.-Spray betäubt, zusammengeschlagen und ausgeraubt. Ans Aufgeben habe ich trotzdem nie gedacht.

Sie haben vor Kurzem mit dem Fernfahren aufgehört. Was haben Sie noch vor?
Beim Lkw-Fahren ist es so: Man ist sieben Tage unterwegs, manchmal auch 14, mit einer täglichen Arbeitszeit von 15 Stunden. Ich stand kurz vor dem Burn-out. Jetzt mache ich gerade den Autobusführerschein, und ich möchte für ein Autobus-Unternehmen arbeiten. Mit dem Lkw war ich in 18 Ländern unterwegs, aber Fernweh hab ich nach wie vor.

4,1 Millionen Kilometer ist Regina Lidlgruber mit dem Lkw gefahren. Über ihr Leben auf der Autobahn schrieb die Steyrerin ein Buch: „Die Frau im Truck – 60 Kilo auf 40 Tonnen. Autobiografie einer Fernfahrerin“(Malandro-Verlag). Die Fortsetzung erscheint voraussichtlich Ende des Jahres. 

Erschienen in „Welt der Frau“ 10/15 – von Julia Langeneder