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Mit Kaffeeschaum die Revolution beginnen

Setzen wir uns mal gerade hin und schicken den Hohn einkaufen. Dann folgen wir den Ausführungen und wissen bald alles, was die Hipster ausmacht. Genau genommen wissen wir ab der ersten Zeile, die wir lesen und der Autor weiß auch ab der ersten Zeile, die er schreibt, dass es natürlich den Prototypen „Hipster“ gar nicht gibt, wohl aber genügend Ausformungen davon. Also lesen jetzt viele Ex-68-er vom Hipster, ja, es gibt in als Frau und als Mann. Philipp Inkrath isoliert den Hipster nicht von gesellschaftlichen Entwicklungen, seinen NachbarInnen und FreundInnen, seinem Job bei Starbucks oder in einem anderen hippen Lokal.

Sie wollen jetzt wissen, was genau ein Hipster ist, der Autor warnt zwar ausdrücklich, sich auf die Äußerlichkeiten zu beschränken, aber bitte, wenn Sie es wollen: Vollbart – die männlichen Hipster – Jutetaschen, T-Shirts mit ironischen Sprüchen oder Motiven, Hornbrillen. Ja, da setzt man auf Individualismus, sucht daher auch gern nach neuem Alten, Individuellen auf Flohmärkten, man muss sich vom Rest der Gesellschaft unterscheiden. Fragen Sie mal Ihren Kaffeeröster, die Kaffeerösterin Ihres Vertrauens, wie sie zu ihrem Laden kam, was ihre Werte sind; auch Bioläden eignen sich dazu, mit Hipstern – mit Hüten, mit Vollbärten, vergessen wir endlich diese Äußerlichkeiten – ins Gespräch zu kommen. Die Hipster liefern sich ihren Auftraggebern nicht aus, wollen Aufträge erst einmal auf sich wirken lassen, schauen auf ihre Zeit, rennen nicht los, wenn da einer pfeift, da spielen sie schon lieber zum Locker- und damit Kreativwerden Tischtennis in den Agenturen, die sie beschäftigen.

Die Gesellschaft, ausdifferenziert, zerstückelt in unzählige Teilmilieus, bietet längst keine sichere Basis für die feinsäuberliche Entdeckung eines einheitlichen kulturellen Mainstreams: Ist aber die Abgrenzung von Independent versus Mainstream oder Avantgarde contra Masse je wirklich geglückt? Doch sie existiert, die vollmundige Hipsterkritik, die hingegen beim Jugendkulturforscher und Autor differenziert und interessiert lautet:

Um nicht allzu weit auszuschweifen, will ich mich auf die fünf gängigsten Topoi (Individualismus, politisches Desinteresse, Ästhetik, kultureller Snobismus, Tätigkeiten in der Kreativindustrie) beschränken und auf dieser Basis versuchen, herauszufinden, ob der Hipster tatsächlich, wie vermutet, eine Figur ist, die den Zeitgeist der 2010-er Jahre besonders prägnant verkörpert.

 

Was Sie versäumen, wenn Sie das Buch nicht lesen: Selbsterkenntnis, Kenntnis des Lebensstils Ihrer Kinder oder Enkelkinder, die Überraschung, wie gut sich Lebensstil analysieren lässt, jene scharfe Analyse, dass man sich Werte nur vermeintlich kaufen kann. Ja, es wird Ihnen klar gemacht, dass man selbst mit dem korrektesten Konsum die Welt nicht schön, also sich schön kaufen kann. Witz ist auch dabei, zahlreiche Beispiele ebenso. Das Literatur- und Quellenverzeichnis muss extra erwähnt werden, es ist wirklich gut!

 

Der Autor, Jahrgang 1980, leitet den Verein „jugendkulturforschung.de“ in Hamburg, ist ein Kollege von Mr. Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier.

 

 

Philipp Ikrath:

Die Hipster.

Trendsetter und Neo-Spießer.

Wien: Promedia 2015.

Christina Repolust

wurde 1958 in Lienz/Osttirol geboren. Sie schloss das Studium der Germanistik und Publizistik in Salzburg ab. Seit 1992 ist sie Leiterin des Referats für Bibliotheken und Leseförderung der Erzdiözese Salzburg und unterrichtet nebenbei Deutsch als Fremdsprache. Zudem leitet sie Literaturkreise und Schreibwerkstätten für Groß und Klein. Ihre Leidenschaft zu Büchern drückt die promovierte Germanistin so aus: „Ich habe mir lesend die Welt erobert, ich habe dabei verstanden, dass nicht immer alles so bleiben muss wie es ist. So habe ich in Romanen vom großen Scheitern gelesen, von großen, mittleren und kleinen Lieben und so meine Liebe zu Außenseitern und Schelmen entwickelt.“

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