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Mütter, vertragt euch!

Fünf Wochen Mutter sein, ca. 300 Windeln gewechselt, 114 Schreistunden ausgehalten, 800 Mal gestillt, 400 Mal den Schnuller angeboten, 30 Stunden geschlafen. So oder so ähnlich sieht meine etwas nüchterne Bilanz nach 38 Tagen Kleinfamilie aus. Nicht mit eingerechnet sind die innigen, schönen und witzigen Momente, sowie die strahlend-bezaubernden Lächeln, die unser Sohn neuerdings verschenkt. Ja, es ist hart und ja, unser Kleiner fordert uns ganz schön, aber trotz allem blicke ich vorwärts und halte mich an die schönen Augenblicke, die ich absolut nicht missen möchte.

Als Erstmutter stellen sich jede Menge Fragen zu Babypflege, -gesundheit und -entwicklung. Will man nicht ständig die eigene Mutter oder Freundinnen löchern, ist das Internet eine allzeit willfährige Informationsquelle. Dort bin ich auf diverse Foren für Mütter gestoßen. Den ein oder anderen praktischen Tipp habe ich mir schon abgeschaut, z.B. dass es hilft mit dem Baby im Tragetuch staubzusaugen, um es zum Schlafen zu bringen, oder dass man scharfe, lange Babynägel am besten vorsichtig mit den eigenen Zähnen abkaut. Auffällig ist aber: sobald es um größere Themen wie Stillen, Schlafen im eigenen Bett oder Schreien geht, herrscht ein wenig hilfreicher Ton und die gutgemeinten Ratschlage schlagen um in Belehrungen und offenen Argwohn. Die Mütter bekriegen sich verbal dermaßen, dass diffamierende Schimpfwörter und Hassbekundungen an der Tagesordnung stehen. In großen Lettern steht IDEOLOGIE über die vermeintlich unterstützenden Diskussionen geschrieben. Zu rechthaberisch und selbsteingenommen sind viele, die sich dort tummeln, zu leicht und auch sehr feige ist es, jemanden unbekannt und anonym übers Internet runterzumachen, um die eigenen Ansichten vor sich selbst zu rechtfertigen, unter dem Deckmäntelchen des Wohles der Kinder.

Ich vergleiche das herrschende Ideal der stillenden, tragenden, Bio-Vollzeitmutti mit dem gängigen Bild der Traumfigur in Size Zero. Genauso rar, genau so schwer zu erreichen in unserer hektischen, hochtechnisierten, komplizierten Welt und vor allem genau so beschneidend: Allem was meine Freiheit als Mensch einschränkt stehe ich skeptisch gegenüber, allen Ideologien, die mir weismachen wollen nicht gut genug zu sein, setze ich meine Kritik entgegen und jeden, der mich diffamiert, weil ich mein Kind so erziehe, wie ich es für mich als passend empfinde, kann ich nicht ernst nehmen. In dem Sinne, liebe Mütter, vertragen wir uns und gehen wir lieber gegen die frauenfeindlichen Misstände in unserer Gesellschaft auf die Straße mit unseren Kleinen im Tragetuch, Kinderwagen, hinten, vorn, an der Hand oder wie auch immer.

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