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Musik, die bei Laune hält
Lange Familienautofahrten und die Frühstücksbeschallung am Wochenende sind gerettet: Ein paar wirklich gute Kinderlieder-CDs, die Kindern und Eltern gleichermaßen gefallen.

Alle, die Kinder haben, kennen das: Man sitzt mit Kind und Kegel im Auto, es liegen noch gut und gerne zweieinhalb Stunden Fahrzeit vor einem, und die lieben Kleinen, die hinten in ihren Kindersitzen herumwetzen, wollen bei Laune gehalten werden.

KLEIN_56_heike_RZ KopieIdeale Ablenkung böte jetzt die Kinderlieder-CD, nach der die Kinder verlangen. Das Problem dabei: Man selbst kann sie nicht hören. Sie macht einen aggressiv, weniger weil man sie zum hundertsten Mal abspielt, sondern weil sie eine Abfolge von lieb- und hirnlos zusammengekleisterten Umta-umta-Quatsch-Nummern oder picksüß-klebrigem Kitsch ohne jede musikalische Raffinesse und ohne jedes Feingefühl ist.

Hauptsache, laut, Hauptsache, irgendein stumpfer Rap-Beat spielt eine Rolle. Die meisten Kinderlieder-CDs sind eine elende Fast-Food-Musik. Und dann gibt es noch das Kontrastprogramm: Bemühte Kunst-Kinderliedproduktionen, die es bewusst ganz anders machen wollen und die traditionellen Kinder- und Volkslieder absichtlich so gegen den Strich bürsten, dass die Neuinterpretation zwar den Eltern gefällt, leider aber nicht den Kindern (zum Beispiel: Heike Makatsch singt „Die schönsten Kinderlieder“, Hör-CD, Diogenes).

KLEIN_56_0457_CAFE-UNTERZ KopieJetzt aber die gute Nachricht. Es gibt sie, die verspielten, raffinierten, musikalisch einfallsreichen, lustigen und eleganten Kindermusik-CD-Produktionen. Den Selbsttest haben wir erfolgreich absolviert. Das Ergebnis: Kind (4) glücklich, Eltern glücklich. Mehr kann man nicht verlangen. Die langen Autofahrten und die Frühstücksbeschallung an den Wochenenden sind gerettet.

Erst einmal und ganz und gar hinreißend ist „Leiser! Kindische Lieder aus der Nachbarschaft“ von Café Unterzucker (eine CD, Trikont), eine bayrische Produktion, für die sich ein paar ganz feine Musiker mit Inbrunst und hörbarem Vergnügen dem musikalischen „Unfug für Kinder und Nichtkinder“ hingeben. Blues, Swing, KLEIN_56_big_12937500_0_4 KopieDixieland, Wiener- und Seemannslied finden hier bei neuen Texten über das ganz alltägliche Leben völlig entspannt zusammen. Banjo, Tuba und Schlagzeug feiern große, beschwingte Auftritte. Die Texte erzählen vom nörgelnden, durch Lärm gestörten Nachbarn ebenso wie von einem Reiner, der nur bei Regen rausgeht, oder einer Badewannenente, die nicht mehr quietschen will.

Eine ganz andere, wenn auch um nichts weniger tolle Produktion ist „Wir Kinder vom Kleistpark“ (eine CD, fünfton), eine Hörreise mit Liedern, Versen und Tänzen aus aller Welt, erstellt vom Kindergarten am Kleistpark in Berlin-Schöneberg, der von Kindern aus 30 Nationen besucht wird und mit der benachbarten Musikschule kooperiert. Gesungen werden hier russische genauso wie deutsche, türkische oder afrikanische Lieder.KLEIN_56_978-3-8398-4573- Kopie

Die Musikalität der Kinder, auch der jüngsten, haut einen buchstäblich um. Außerdem tritt diese schöne, oft sehr elegische CD den Beweis an, dass Kinder gar nicht so sehr interessiert, was ein Text bedeutet. Sie singen ihn einfach, weil ihnen Melodie, Rhythmus und Bewegung gefallen.

Das politisch engagierte Kinderlied lebt in der CD „Wir werden immer größer“ (eine CD, Sauerländer Audio) des berühmten Grips-Kindertheaters in cdcover-kl.:cdcover-kl.Berlin auf. Da geht es um fernsehvertrottelte Kinder („Mattscheiben-Milli“), Gleichberechtigung („Wer sagt, dass Mädchen dümmer sind“) oder ums Teilen („Meins oder deins“) genauso wie um Wut, Angst, Dreck, Kuscheltiere oder das Pfeifenlernen und Größerwerden. Die Lieder haben nicht selten die spröden Melodieunterbrechungen von Protestliedern. Das ist eigen, sehr reizvoll und wirklich erfrischend in der Ambition, auch heute noch an Kinderlieder mit Botschaften zu glauben.

Wer eine wunderbare Sammlung von Kinderliedern für jeden Anlass – Morgen und Abend, Spielen und Tanzen, Wetter und Tiere, Liebe und Essen, Nonsens und Jahreszeiten – braucht, ist ideal beraten mit der famosen Doppel-CD-Produktion „Simsala­bim­bambasaladusaladim“ (zwei CDs, Residenz Verlag).

KLEIN_56_jazz 4 kids_RZ KopieIrische Folksongs finden sich da genauso wie französische Lieder, Kanons, ein in herrlich schnarrigem Wienerisch gesungenes „Alleweil kamma ned lustig sein“ oder das traditionelle „Hans, bleib da, man weiß ja nicht, wie’s Wetter wird“. Ein umfangreiches Buch zu den zwei CDs gibt es auch. Abschließend können sich alle noch bei „Jazz for Kids“ (eine CD, Verve Records) entspannen, einer CD, auf der etwa die unvergleichliche Ella Fitzgerald „Old McDonald“ oder Louis Armstrong „What a Wonderful World“ singt.

 

Erschienen in „Welt der Frau“ 04/14  – von Julia Kospach