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Muss das so sein?
Mit seinen Kindern soll man viel Qualitätszeit verbringen. Hat die restliche Zeit keine Qualität?

Es war klar, dass dieser Satz kommen musste. Bei einer Veranstaltung zum Thema „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ wurde eine Managerin gefragt, wie sie neben ihrem Führungsjob Zeit für die Familie findet. Zum einen ist es leider immer noch so, dass man solche Fragen meist nur Frauen stellt. Und zum anderen ist es ein Standardsatz berufstätiger Eltern: Sie würden eben Qualitätszeit mit ihren Kindern verbringen.

Die US-amerikanische Soziologin Arlie Russel Hochschild hat den Begriff „quality time“ geprägt – diese soll der Festigung von Beziehungen dienen. Die Idee dahinter: Es kommt nicht auf die Menge der Zeit an, sondern darauf, wie man sie nutzt. Da ist was dran. Manchmal erscheint Qualitätszeit aber wie ein Alibi für ein schlechtes Elterngewissen. Das Familienleben lässt sich nun mal nicht so effizient gestalten wie ein Unternehmen. Qualitätszeit kann man nicht per Mausklick abrufen. Manchmal pfeifen Kinder einfach drauf und wollen lieber ihr Puzzle fertig bauen oder mit dem Bauernhof spielen. Dafür fordern sie wiederum ganz spontan Zeit ein, um ein Kochtopfkonzert vorzutragen oder ihre Lieblingsgeschichte zu hören. Qualitätszeit ist ein Erwachsenenkonstrukt, das sich nicht auf Kinder überstülpen lässt. Kinderzeit ist anders.

Und manchmal brauchen Kinder auch nur die stille Anwesenheit eines Elternteils, während sie ihre Stofftiere bekochen. Kinder brauchen keine Qualitätszeit, sondern einfach Zeit.

Julia Langeneder ist Mutter einer Tochter und arbeitet Teilzeit.

 

Erschienen in „Welt der Frau“ 01/14 – von Julia Langeneder