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Nähren und Kleiden

Selbermachen ist in. Für alle Lebensbereiche gibt es ausführliche Anleitungen, Online Tutorials, und leidenschaftliche Magazine. Scheinbare Autonomie, die Freude am kreativen Schaffen oder einfach der Wunsch etwas Einzigartiges zu besitzen treiben die neuen „SelbermacherInnen“ wohlmöglich an. Ich bin diesem Trend auch schon lange aufgesessen. Es reizt mich selbst Hand anzulegen. Absurd wenn man aus einem Kreativberuf kommt auch im Privaten gerne selber zu machen, aber das ist wohl das Holz aus dem ich geschnitzt bin. Es gibt die feministische Ansicht, dass das Selbermachen das neue Biedermeiertum der Mittelschicht darstellt. Man klopft sich für sein selbstgebackenes Brot auf die Schulter und schmückt sich mit einer sehr hartnäckigen Gutmensch-Aura, die einen imun gegen Angriffe auf die eigene politische Komfortzone macht. „Ökologischer Fußabdruck? – Kein Thema, ich kaufe am Flohmarkt und benutzte Stofftaschen zum Shoppen.“ Trotz dieser sicher berechtigten Kritikpunkte sind für mich meine Selbermacherinnenprojekte einfach ein entspannender Zeitvertreib, bei dem ich wunderbar abschalten und Kraft tanken kann.

Selber Brei machen? Die Kleidung und Spielzeug selbst herstellen? Als ich schwanger war habe ich begonnen für den Kleinen zu nähen. Ich habe das bis jetzt fortgesetzt fast jeden Abend mit größter Lust und Freude. Immer öfter frage ich mich ob ich meine spärliche Freizeit nicht sinnvoller einsetzen könnte. Im selben Atemzug denke ich dafür nach was wohl Sinn in dem Zusammenhang bedeutet. Primär denke ich, dass mich die Aktivitäten am Abend entspannen sollten. Andererseits habe ich eine Riesenliste an Kunstprojekten, die wohl nur mehr wenige Stunden bräuchten um abgeschlossen zu werden. Sollte ich am Abend lieber arbeiten? Warum kann ich mich so schwer aufraffen ins Atelier zu gehen aber der Gang an die Nähmaschine ist wie der heißersehne Schluck herrlich duftender Kaffee nach einer langen Nacht? Ich glaube es wird nicht mehr allzu lange dauern bis ich wieder auch für meine Kunstprojekte Feuer gefangen habe und mir die Abende und Nächte im Atelier um die Ohren schlagen werde.

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