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Nahrung wieder wertschätzen

Immer noch werden in Österreich viel zu viele Lebensmittel weggeworfen. Aber es wächst auch Widerstand gegen die Verschwendung. Ein Rundgang durch Supermärkte, Gastronomie und Privathaushalte zeigt, wie mit guter Haushaltsführung und engagierter Initiative Lebensmittel vor der Mülltonne gerettet werden.

Als die Regierung in Frankreich 2015 beschloss, dass Supermärkte übrig gebliebene Lebensmittel spenden oder weiterverwerten müssen, ging ein begeistertes Rumoren durch die heimische Nachhaltigkeitsszene. Wenn solch ein Gesetz in Frankreich möglich ist, warum gibt es das nicht bei uns? Könnten damit nicht endlich die enormen Mengen Lebensmittelmüll reduziert werden und die Welt wäre wieder ein Stückchen mehr in Ordnung? Bei dieser Betrachtung wird allerdings vergessen, dass Supermärkte nicht die Einzigen sind, die Lebensmittelmüll erzeugen. Private Haushalte verursachen ihrerseits eine große Menge, ebenso maßgeblich beteiligt sind Gastronomie und Landwirtschaft (siehe Interview). „Und in Österreich würde sich durch so ein Verbot wenig ändern, da der Handel in Österreich ohnehin sehr viel tut, damit Lebensmittel nicht im Müll landen“, berichtet Alexandra Gruber, Geschäftsführerin der Wiener Tafel. Sie muss es schließlich wissen. Denn Tag für Tag holen mehr als 400 ehrenamtliche MitarbeiterInnen der Wiener Tafel Lebensmittel, die nahe am Mindesthaltbarkeitsdatum sind, von über 180 Warenspenderunternehmen ab und bringen sie zu Armutsbetroffenen in Frauenhäusern, Obdachlosenbetreuungs-Einrichtungen und Flüchtlingsherbergen.

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Dass Supermärkte Waren, die noch in Ordnung sind, aus den Regalen nehmen, nur weil das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist, ist einer der stärksten Kritikpunkte von LebensmittelschützerInnen. Muss das denn so sein? Tanja Dietrich-Hübner ist Leiterin der Abteilung „Nachhaltigkeit“ bei Rewe, wo man sich für Lebensmittelweitergabe an soziale Organisationen engagiert. „Wir können nach diesem Zeitpunkt keine Garantie mehr geben, dass das Produkt in Ordnung ist“, erklärt sie. „Besonders kritisch ist die Lage im Bereich Fisch und Fleisch. Hier gibt es ein Verbrauchsdatum, das nicht überschritten werden darf. Ware, bei der dieses Datum abgelaufen ist, muss entsorgt werden.“ Bei manchen gesetzlichen Regelungen fragten sich sowohl der Handel als auch die KonsumentInnen, wozu sie gut seien. Etwa dass Eier eine Woche vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums aus dem Verkauf genommen werden müssen.

Wieso aber kommt so viel Ware laufend an die Mindesthaltbarkeitsgrenze? Einerseits ist wohl keine absolut passgenaue Einkaufs- und Lagerplanung möglich, andererseits will man auch ein bestimmtes Warenangebot bis zu Geschäftsschluss aufrechterhalten. Aber müssen KonsumentInnen auch kurz vor Ladenschluss noch alle Brot- und Gemüsesorten zur Auswahl haben? „Wenn jemand erst am Abend einkaufen kann, muss er auch noch eine gewisse Auswahl vorfinden. Und mit den Aufbackstationen kann man mittlerweile sehr bedarfsgerecht Gebäck anbieten“, sagt Dietrich-Hübner. Und warum liegt nur perfekt schönes Obst und Gemüse in den Regalen? „Wir kaufen nun einmal auch mit den Augen. Obst und Gemüse mit einer Delle bleibt einfach übrig“, ist Hübners Antwort. Sehr wohl angenommen würden allerdings die sogenannten „Wunderlinge“, die es mittlerweile in den Rewe-Supermärkten gibt. Unter diesem Titel wird Obst und Gemüse verkauft, das nicht den Handelsklassen entspricht. 

Angekreidet werden dem Handel auch Aktionen, die dazu animieren, mehr als nötig zu kaufen, etwa mit „Nimm drei, zahl zwei“-Angeboten. Wie sieht das Nachhaltigkeitsexpertin Dietrich-Hübner? „Erstens gibt es die meisten XXL-Packungen im Non-Food-Bereich, zweitens können wir niemand die Verantwortung abnehmen, ob er die Lebensmittel verwenden oder lagern kann. Und drittens lieben viele diese Angebote auch, weil sie nun einmal günstig sind.“ 

Lesen Sie weiter in „Welt der Frau“ 03/16.

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© privat

Nahrung retten und „fairteilen“

Katrin Lampel (26) ist in einer Familie aufgewachsen, in der kaum Lebensmittel weggeschmissen wurden. Ja mehr noch: Aus Protest gegen die Wegwerfkultur wurden häufig Waren kurz vor Ablauf ihres Mindesthaltbarkeitsdatums gekauft. Ein bewusster Umgang mit Lebensmitteln war ihr also in die Wiege gelegt. Als sie dann durch den Film „Taste the Waste“ von Valentin Thurn erfuhr, was alles an Genießbarem in Mülltonnen landet, war sie so geschockt, dass sie beschloss, sich aktiv gegen Lebensmittelverschwendung einzusetzen.

Den vollständigen Text und weiter Informationen zum Thema finden Sie in der Printausgabe „Welt der Frau“ 03/16.

Erschienen in „Welt der Frau“ 03/16 – von Christa Langheiter