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Narzissten heute: großartig, wunderschön und megaerfolgreich

Wenn eine erfahrene Therapeutin wie Bärbel Wardetzki wieder einmal in die Tasten klopft, um ihrem Hauptforschungsgebiet – Narzissmus – noch aktuelle Beispiele und Analysen hinzuzufügen, heißt das: Aufgepasst, da tut sich wieder etwas Großes. Es zieht der Alltagsnarzissmus in die Groß- und Kleinstraumbüros ein, da blenden die Großmäuler und da verschwinden die Schüchternen im eigenen Einbauschrank.

Wardetzki bedient kein Klischee, sondern hält der Gesellschaft einen blank geputzten Spiegel vor. Wer bekommt denn schnell den mittelmäßig dotierten Job: Ein seriöser Mensch, der noch dazu bescheiden wirkt? Oder der Blender, der großspurig von Einsparungspotenzialen zu quatschen beginnt? Die Blenderin gibt es auch und auch die seriöse Bewerberin, die Fakten auf den Tisch legen will. Wer je mit Narzisstinnen und Narzissten zu tun hatte, wird bei den wirklich brillanten Fallbeispielen lächeln: Ja, die waren auch schon einmal da. Bei Sitzungen, bei denen sie entweder ohne Punkt und Komma referierten, ohne wirkliche Inhalte zu verbreiten. Oder kennen wir nicht auch den Narzissten, der immer Recht hat, der nie an Fehlern die Schuld trägt und während die anderen, die Scherben, die er verursachte zusammenkehren, bereits unterwegs zu seinen neuen Feldern ist. Nicht Arbeits-, sondern eher Schlachtfeldern, denn er muss kämpfen, denn nicht jeder erkennt seine wirkliche, wahre Größe und Brillanz.

Auf der suchthaften Suche nach Bestätigung und Anerkennung bleiben Freundschaften und Beziehungen auf der Strecke, viele Untergebene und KollegInnen beginnen, im narzisshaften Tanz mitzuspielen. Doch warum? Ganz einfach: Blender haben sehr lange Erfolg. Nicht am Fließband, aber überall dort, wo schöne Worte schon etwas gelten, wo die originellen Schuhe bemerkt werden – Ist das Schlangenleder? Welche Marke? – und auch jede Großspurigkeit als Weltgewandtheit geschätzt wird.

„Die Bereiche, in denen narzisstische Chefs und Chefinnen ihre Defizite haben, werden von den Mitarbeitern als wesentliche Belastungen genannt: schlechte Organisation, kein Feedback, fehlende Wertschätzung und mangelnde Kommunikation. Die fehlende Wertschätzung steht dabei an erster Stelle.“

 

Was Sie versäumen, wenn Sie das Buch nicht lesen: Eine gut recherchierte Sammlung von Narzissten-Tatorten, eine feine Analyse des Narzissmus und seiner Ausprägungen in Familie, Beruf, Schule, Karriere und im Bankenwesen. Eine neue Brille, Nachrichten zu sehen und narzisstische Darbietungen sofort zu erkennen.

Die Autorin schreibt Bestseller und ist eine gefragte Referentin, sie ist ihren Kernthemen dermaßen treu geblieben, dass ich sie bewundere: Narzissmus, Kränkungen, Essstörungen – drei große Themen, die eng zusammengehören. Sie belehrt nicht, sie motiviert zu Veränderungen.

Bärbel Wardetzki:

Blender im Job.

Vom klugen Umgang mit narzisstischen Chefs, Kollegen und Mitarbeitern.

München: Scorpio 2015.

Christina Repolust

wurde 1958 in Lienz/Osttirol geboren. Sie schloss das Studium der Germanistik und Publizistik in Salzburg ab. Seit 1992 ist sie Leiterin des Referats für Bibliotheken und Leseförderung der Erzdiözese Salzburg und unterrichtet nebenbei Deutsch als Fremdsprache. Zudem leitet sie Literaturkreise und Schreibwerkstätten für Groß und Klein. Ihre Leidenschaft zu Büchern drückt die promovierte Germanistin so aus: „Ich habe mir lesend die Welt erobert, ich habe dabei verstanden, dass nicht immer alles so bleiben muss wie es ist. So habe ich in Romanen vom großen Scheitern gelesen, von großen, mittleren und kleinen Lieben und so meine Liebe zu Außenseitern und Schelmen entwickelt.“

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