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...Papi ist ein Schlappi...

Meine Lieben, haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, wie wichtig manche Menschen den „guten“ Ton nehmen und wie wenig Beachtung dem „ausdrucksoriginellen und richtigen“ Ton begemessen wird? Zu grüßen zum Beispiel findet meiner Meinung nach eine Überbewertung in unserer Kultur, gemessen am Wie. „’s Goooott“, „hei“, „hey“, „ho“, „jo“, und so weiter fliegen uns 100fach zu, gelten als unerlässlicher guter Ton, und dass, ohne auch immer einen guten Beigeschmack zu hinterlassen. Unsere Sprache bietet einen derartigen Haufen an auswählbaren Worthülsen, dass mir als Wortjongleuse schier schwindlich wird!

Seine Worte richtig zu wählen, ist eine soziale Kompetenz, die unbezahlbar ist, glauben Sie mir! Ein Beispiel: „Papi ist ein Schlappi“ (weich), „Paps trinkt Schnaps“ (hart). Fühlen Sie den feinen Unterschied, den die gezielte Auswahl im Wörtermeer dazustellen vermag? Es ist der selbe Mann, die selbe Vaterfigur im selben Familienverband bei verschiedenen Tätigkeiten, bzw. zu verschiedenen Tageszeiten. Die „-i“-Endung erreicht uns als weiche, kindliche, verspielte, naive, freundliche Formulierung und löst ein Lächeln in uns aus. Ein harmloses, molliges Väterchen, denken wir. Die „-ps“-Endung samt Vorbau stellt uns einen widerlichen Säufer ohne Verantwortungsgefühl der Familie gegenüber vor.

Sprache ist herrlich, kostbar, in ihrer Anwendung himmelshell bis grabesfinster. Und sie ist ein zweischneidiges Schwert mit mehr Schneid, als alle anderen, todbringenden Schwerter. Es macht einen Unterschied, zu sagen „Wer sagt denn, das ich dich nicht so mag?“ oder „Ich mag dich so!“. Sprache vereint uns, entzweit uns, lässt unsere Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe erkennen, lässt den Austausch mit dem Gegenüber zu. Es liegt in unserer Hand, wie wir die Sprache anwenden. So, dass sich die Angesprochenen wohlfühlen, oder mit „spitzer Zunge“, die das Gegenüber durchbohrt.

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